Rotbackig hängen sie am Baum, sehen knackig aus und eigentlich könnte man schon zugreifen. Doch der erste Biss bringt manchmal die Ernüchterung: sauer, hart, noch lange nicht so weit. Bei Äpfeln verrät die Farbe allein nämlich nicht zuverlässig, wann die Ernte beginnen kann.
Eines der einfachsten Anzeichen für die sogenannte Pflückreife ist der Stiel. Nimm einen Apfel vorsichtig in die Hand, hebe ihn leicht an und drehe ihn behutsam. Löst sich die Frucht samt Stiel ohne großen Widerstand vom Ast, kann sie erntereif sein. Musst du kräftig ziehen oder reißen, solltest du ihr besser noch etwas Zeit am Baum gönnen.
Wichtig ist allerdings, mehrere Merkmale miteinander zu kombinieren. Denn der optimale Erntezeitpunkt hängt stark von der jeweiligen Sorte ab.
Auch das Aussehen verändert sich mit zunehmender Reife. Die Grundfarbe der Schale wird bei vielen Sorten heller und entwickelt sich von Grün in Richtung Gelb, während sich die sortentypische Deckfarbe stärker ausprägt. Ein weiteres Indiz steckt im Inneren: Schneidest du einen Apfel auf, können braun gefärbte Kerne auf fortgeschrittene Reife hindeuten. Auch das typische Apfelaroma wird zunehmend deutlicher.
Und natürlich darf probiert werden: Schmeckt die Frucht bereits sortentypisch aromatisch und nicht mehr auffällig unreif oder extrem sauer, spricht ebenfalls einiges für die Ernte.
Gerade Sommersorten können nach und nach reifen. Deshalb solltest du einen Baum nicht automatisch komplett abernten, nur weil die ersten Äpfel bereit sind. Kontrolliere die Früchte stattdessen regelmäßig und pflücke zunächst jene, die sich leicht lösen und bereits die typischen Reifezeichen zeigen. So bekommen Nachzügler noch ein paar zusätzliche Tage am Baum.
Wer es genauer wissen möchte, kann den Reifegrad mithilfe eines Stärketests mit Jodlösung bestimmen. Während der Reifung wird die im Apfel enthaltene Stärke zunehmend in Zucker umgewandelt. Diese Veränderung lässt sich sichtbar machen.
Dafür wird ein Apfel aufgeschnitten und die Schnittfläche mit einer geeigneten Jod-Kaliumiodid-Lösung behandelt. Stärkehaltige Bereiche färben sich dunkel. Je weiter der Stärkeabbau fortgeschritten ist, desto kleiner wird die dunkel gefärbte Fläche. Für den normalen Hausgarten ist dieser Test allerdings meist nicht notwendig. Zudem gehört die verwendete Lösung nicht in den Mund und unbedingt außer Reichweite von Kindern.
Besonders bei späteren Lageräpfeln gibt es noch einen wichtigen Unterschied: Pflückreife und Genussreife müssen nicht zusammenfallen. Manche Sorten werden geerntet, obwohl sie geschmacklich noch nicht ihr Maximum erreicht haben. Während der anschließenden Lagerung entwickeln sie ihr typisches Aroma weiter.
Lagern solltest du nur gesunde, unbeschädigte Früchte. Druckstellen, Verletzungen oder faulige Stellen können die Haltbarkeit deutlich verkürzen.