Ein Blick in den Spiegel, ein Vergleich mit den vermeintlich perfekten Gesichtern im Internet – und plötzlich reicht das eigene Aussehen nicht mehr aus. Was für viele Jugendliche mit harmlosen Beauty-Tipps auf TikTok beginnt, kann gefährliche Ausmaße annehmen. Ein 15-jähriger Bub aus den USA ging für seinen Traum von den "perfekten Augen" sogar so weit, sich selbst zu verletzen. Ärzte schlagen nun Alarm.
Der Auslöser ist ein Schönheitsideal, das in sozialen Netzwerken immer mehr Aufmerksamkeit bekommt: sogenannte "Hunter Eyes". Gemeint sind schmale, mandelförmige und tief liegende Augen, die besonders markant und männlich wirken sollen. Stars wie Brad Pitt, Chris Hemsworth oder Robert Pattinson gelten in einschlägigen Online-Foren als Vorbilder. Vor allem Anhänger der sogenannten "Looksmaxxing"-Bewegung eifern diesem Aussehen nach.
Dahinter steckt die Vorstellung, dass ein möglichst attraktives Gesicht über Erfolg, Anerkennung und sogar die Chancen in der Liebe entscheidet. Was zunächst nach gewöhnlicher Selbstoptimierung klingt, entwickelt sich in manchen Online-Communitys zu einem gefährlichen Wettlauf um das vermeintlich perfekte Aussehen.
Ein 15-Jähriger, der sich im Internet "Tesarossa" nennt, hatte in einem Looksmaxxing-Forum angekündigt, seine Augenform verändern zu wollen. Wenig später veröffentlichte er ein Video, in dem er sich am Augenwinkel mit einer Klinge verletzte. Sein Ziel: ein länglicherer, vermeintlich attraktiverer Blick. Der Jugendliche stellte seinen Selbstversuch nicht nur online, sondern versuchte auch, anderen sein Vorgehen näherzubringen. Gegenüber "20 Minuten" erklärte er, er habe Menschen helfen wollen, die ebenfalls mit ihrer Augenform unzufrieden seien.
Der Wunsch nach "Hunter Eyes" ist längst auch ein Geschäft. Während auf TikTok fragwürdige Übungen und vermeintliche Tricks kursieren, bieten Schönheitskliniken im Ausland bereits operative Veränderungen der Augenpartie an. Das Männermagazin "GQ" berichtete etwa über einen Chirurgen in New Jersey, der für ein entsprechendes Behandlungspaket zwischen 30.000 und 40.000 US-Dollar verlangt. Nach eigenen Angaben führt er jährlich Dutzende solcher Eingriffe durch. Auch Kliniken in der Türkei werben mit dem begehrten Augen-Look.
Doch nicht jeder Arzt möchte diesen Trend bedienen. Der Zürcher Schönheitschirurg Hakan Atas erklärt gegenüber "20 Minuten", dass er Patienten mit unrealistischen Vorstellungen ablehne. Immer häufiger würden Menschen mit KI-bearbeiteten Bildern in die Beratung kommen und ein Aussehen erwarten, das sich so nicht verwirklichen lasse.
Wie gefährlich Selbstversuche an den Augen sind, erklärt Augenarzt Adib Moharram-Zadeh gegenüber "20 Minuten". Selbst oberflächlich wirkende Verletzungen könnten schwerwiegende Folgen haben. Dazu zählen Schäden am Augapfel, Infektionen, Narben und Probleme beim Tränenabfluss. Im schlimmsten Fall kann die normale Funktion der Augenlider beeinträchtigt werden. Denn die empfindliche Haut rund um die Augen erfüllt eine wichtige Aufgabe: Die Lider schützen den Augapfel, verhindern das Austrocknen und verteilen den Tränenfilm, der für gutes Sehen notwendig ist.
Auch professionelle Schönheitsoperationen sind keineswegs risikofrei. Mögliche Komplikationen reichen von trockenen Augen und sichtbaren Narben bis zu Doppelbildern oder einem unvollständigen Lidschluss.