Der Sommer zeigt sich von seiner heißesten Seite – und während wir uns mit kalten Getränken oder einem Sprung ins Wasser abkühlen, kämpft der Rasen oft ums Überleben. Viele Hobbygärtner greifen jetzt fast täglich zum Gartenschlauch, in der Hoffnung, die trockenen Halme zu retten. Doch genau das ist häufig der größte Fehler. Statt mehr Wasser braucht der Rasen vor allem die richtige Menge – und die lässt sich mit einem überraschend einfachen Hilfsmittel überprüfen: einem leeren Marmeladenglas.
Wenn die Temperaturen steigen, scheint die Lösung naheliegend: täglich den Rasensprenger einschalten. Tatsächlich bringt diese Routine dem Grün jedoch oft weniger als gedacht. Kleine Wassermengen befeuchten meist nur die oberste Erdschicht und verdunsten schnell wieder, bevor sie die Wurzeln erreichen.
Die Folge: Das Gras bildet nur flache Wurzeln und wird dadurch immer anfälliger für Hitze und längere Trockenperioden. Gartenexperte Elmar Mai erklärt gegenüber ZDFheute: "Entscheidend ist nicht, wie oft gegossen wird, sondern wie viel Wasser tatsächlich die tieferen Bodenschichten erreicht." Nur wenn genügend Feuchtigkeit bis in die Tiefe gelangt, entwickelt der Rasen ein kräftiges Wurzelwerk und kann sich auch an heißen Tagen besser selbst versorgen.
Die Devise lautet deshalb: lieber seltener, dafür gründlich bewässern. Statt jeden Tag kurz zu sprengen, reichen in längeren Trockenphasen oft zwei bis drei intensive Bewässerungen pro Woche. Wie viel Wasser tatsächlich nötig ist, hängt vom Boden ab. Sandige Böden benötigen in der Regel etwa 10 bis 15 Liter pro Quadratmeter, lehmige Böden vertragen sogar 15 bis 20 Liter. Genau hier stellt sich allerdings die entscheidende Frage: Woher weiß man eigentlich, wie viel Wasser der Rasensprenger wirklich verteilt?
Die Lösung ist verblüffend simpel. Vor dem Einschalten des Rasensprengers wird einfach ein leeres Marmeladenglas, alternativ funktioniert auch ein gerades Trinkglas, auf den Rasen gestellt. Mai empfiehlt dafür ein Glas mit rund 0,2 Litern Fassungsvermögen. Sobald es etwa zur Hälfte gefüllt ist, wurde ungefähr die richtige Wassermenge ausgebracht.
Der Trick funktioniert deshalb so gut, weil nicht das Volumen des Glases entscheidend ist, sondern die Höhe des Wassers. Steht das Wasser etwa einen Zentimeter hoch im Glas, entspricht das rund 10 Litern Wasser pro Quadratmeter. Bei einem Wasserstand zwischen einem und zwei Zentimetern wurden somit ungefähr 10 bis 20 Liter verteilt – genau jener Bereich, der für die meisten Rasenflächen im Sommer empfohlen wird.
Wer den Marmeladenglas-Trick einmal ausprobiert hat, kann sich die Gartenarbeit künftig noch einfacher machen. Markiere die gewünschte Wasserhöhe einfach mit einem wasserfesten Stift direkt am Glas und stoppe beim ersten Test die Zeit, bis dieser Pegel erreicht ist.
Beim nächsten Bewässern musst du den Rasensprenger dann nur noch genau so lange laufen lassen. Das spart nicht nur Wasser und damit auch Geld, sondern verhindert gleichzeitig, dass der Rasen unnötig unter Trockenstress leidet oder wertvolles Trinkwasser verschwendet wird.