Die Nase ist dicht, der Hals kratzt und jeder Schluck tut weh. Du wickelst dich in eine Decke, stellst den Wasserkocher an und hoffst, dass Omas bewährte Hausmittel dich schnell wieder auf die Beine bringen. Schließlich können heiße Zitrone, Honigmilch und ein wohliges Erkältungsbad doch nicht schaden. Oder etwa doch?
Tatsächlich ist gut gemeint nicht immer gut gemacht. Manche Hausmittel bringen weniger als gedacht, andere können deinen ohnehin geschwächten Körper zusätzlich belasten. Besonders bei diesen vier Klassikern solltest du aufpassen.
Eine Tasse heißes Zitronenwasser gilt als Geheimwaffe gegen Erkältungen. Doch ausgerechnet bei der Zubereitung passiert häufig ein Fehler: Der frische Zitronensaft landet direkt im kochenden Wasser. Vitamin C ist empfindlich gegenüber Hitze. Je heißer das Wasser und je länger der Saft darin bleibt, desto mehr davon kann verloren gehen.
Lass das Wasser deshalb etwas abkühlen, bevor du die Zitrone dazugibst. Einen bestehenden Schnupfen wegzaubern kann das Getränk allerdings auch mit mehr Vitamin C nicht.
Warme Milch mit Honig gehört für viele zur Erkältung wie das Taschentuch zur Schnupfennase. Besonders bei trockenem Reizhusten kann Honig den gereizten Hals beruhigen. Doch sobald sich Schleim bildet, bekommt die Milch einen schlechten Ruf. Sie soll die Atemwege zusätzlich verschleimen und das Abhusten erschweren. Dafür gibt es allerdings keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Milch kann im Mund ein dickflüssiges Gefühl hinterlassen, produziert aber nicht nachweislich mehr Schleim in den Atemwegen.
Wenn dir Honigmilch guttut, musst du also nicht darauf verzichten. Alternativ kann auch warmer Tee mit Honig angenehm sein.
Ist die Nase verstopft, wird oft kräftig ins Taschentuch geschnäuzt – Hauptsache, die Nase ist endlich wieder frei. Doch genau das kann nach hinten losgehen. Beim heftigen Schnäuzen entsteht hoher Druck, der Nasensekret in Richtung der Nebenhöhlen drücken kann. Ob dadurch tatsächlich häufiger Entzündungen entstehen, ist nicht eindeutig bewiesen. Trotzdem gilt: Lieber vorsichtig schnäuzen und dabei jeweils nur ein Nasenloch zuhalten.
Draußen ist es ungemütlich, drinnen wartet die heiße Badewanne. Was könnte schöner sein, wenn eine Erkältung im Anmarsch ist? Solange du dich noch einigermaßen fit fühlst und kein Fieber hast, kann ein angenehm warmes Bad entspannend wirken. Bei Fieber oder deutlicher Kreislaufschwäche solltest du auf heiße Vollbäder verzichten. Die Hitze kann Herz und Kreislauf zusätzlich belasten und Schwindel begünstigen.
Auch beim Inhalieren ist Vorsicht geboten: Über einer Schüssel mit heißem Wasser drohen Verbrühungen. Sicherer ist beispielsweise ein geeignetes Inhalationsgerät.
So verlockend schnelle Wundermittel auch klingen: Eine gewöhnliche Erkältung lässt sich damit nicht einfach wegzaubern. Gönn deinem Körper ausreichend Ruhe, trinke nach deinem Durst und versuche, die Beschwerden gezielt zu lindern. Kochsalz-Nasensprays können beispielsweise bei einer verstopften Nase helfen.