Ein Mensch bricht plötzlich auf der Straße zusammen. Er reagiert nicht mehr, atmet nicht normal. Jetzt zählt jede Sekunde. Doch während bei einem Mann oft schneller eingegriffen wird, zögern Ersthelfer bei Frauen offenbar häufiger. Der Grund dafür ist ebenso überraschend wie gefährlich: Viele Menschen haben Hemmungen, den weiblichen Brustkorb zu berühren oder Kleidung zu entfernen. Eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruck zeigt nun, dass diese Unsicherheit sogar bei Übungen zur Wiederbelebung eine Rolle spielt.
Ob Frau oder Mann: Bei einem Atem-Kreislauf-Stillstand braucht jeder Mensch sofort Hilfe. Trotzdem zeigen Untersuchungen, dass Frauen in der Öffentlichkeit seltener wiederbelebt werden. Die MedUni Innsbruck stellte fest, dass selbst an weiblichen Übungspuppen weniger sorgfältig reanimiert wurde.
Das Problem ist dabei offenbar nicht mangelnde Hilfsbereitschaft – vielmehr schrecken manche Menschen davor zurück, einer Frau den Brustkorb freizumachen oder eine Herzdruckmassage durchzuführen. Doch genau dieses Zögern kann fatale Folgen haben.
In Österreich erleiden jährlich rund 10.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Atem-Kreislauf-Stillstand. Nur etwa jeder Zehnte überlebt. Nach Angaben des Roten Kreuzes sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit mit jeder Minute ohne Wiederbelebung um rund zehn Prozent: "Bei einem Atem-Kreislauf-Stillstand gibt es keinen Grund zu zögern. Entscheidend ist, sofort den Notruf zu wählen und mit der Herzdruckmassage zu beginnen, egal wer vor einem liegt", betont Janine Gozzi, Direktorin des Roten Kreuzes Vorarlberg.
Besonders beim Einsatz eines Defibrillators herrscht häufig Unsicherheit. Dabei gilt eine klare Regel: Die Elektroden müssen direkt auf die nackte Haut geklebt werden. Ein BH, Sport-Bustier oder anderes störendes Kleidungsstück muss dafür geöffnet, entfernt oder notfalls aufgeschnitten werden. Die Herzdruckmassage selbst erfolgt bei allen Menschen in der Mitte des Brustkorbs.
"Dass viele Menschen davor zurückschrecken, ist verständlich. In dieser lebensbedrohlichen Situation hat aber rasche Hilfe Vorrang", erklärt Daniel Peter, Leiter der Erste-Hilfe-Ausbildung beim Roten Kreuz Vorarlberg. Das Freimachen und Berühren des Brustkorbs sei ein notwendiger Teil der lebensrettenden Maßnahmen.
Die Erste-Hilfe-Empfehlungen für 2026 setzen auf drei einfache Schritte: Prüfen, rufen, drücken. Zuerst kontrollierst du, ob die Umgebung sicher ist und die betroffene Person reagiert. Bleibt eine Reaktion aus, wählst du sofort 144 und stellst dein Handy auf Lautsprecher. Atmet die Person nicht normal, beginnst du unverzüglich mit kräftigen, schnellen Herzdruckmassagen in der Mitte des Brustkorbs. Wer die Beatmung beherrscht, kann nach jeweils 30 Kompressionen zweimal beatmen. Wer das nicht möchte oder kann, drückt ohne Unterbrechung weiter.
Ist ein Defibrillator verfügbar, wird er eingeschaltet. Seine Sprachanweisungen führen durch die nächsten Schritte. Die Wiederbelebung läuft weiter, bis die Person wieder normal atmet oder professionelle Helfer übernehmen.