42,195 Kilometer, brennende Beine und ein Puls, der ordentlich in die Höhe schießt. Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, kennt das überwältigende Gefühl beim Zieleinlauf. Doch immer wieder sorgen Meldungen über Läufer, die während eines Rennens zusammenbrechen, für Schlagzeilen. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Tun wir unserem Herzen mit einem Marathon wirklich etwas Gutes – oder verlangen wir ihm zu viel ab?
Eines steht fest: Regelmäßiges Laufen ist gut für die Gesundheit. Bewegung stärkt das Herz-Kreislauf-System und kann das Risiko für Herzkrankheiten senken. Doch zwischen einer gemütlichen Laufrunde und einem Marathon liegen Welten: Die 42 Kilometer sind eine enorme Belastung für den gesamten Körper.
Nach dem Rennen können im Blut vorübergehend Werte ansteigen, die auf eine starke Beanspruchung des Herzens hinweisen. Das klingt beunruhigend, bedeutet bei gesunden Läufern aber nicht automatisch, dass ihr Herz geschädigt wurde. Meist normalisieren sich die Werte rasch wieder.
So erschreckend einzelne Todesfälle sind, so selten kommen sie vor. Eine 2025 veröffentlichte US-Studie dokumentierte 176 Herzstillstände bei rund 29 Millionen Teilnehmern von Langstreckenlaufveranstaltungen. Hinter solchen Notfällen stecken häufig bislang unerkannte Herzerkrankungen. Bei jüngeren Menschen können angeborene oder vererbte Herzprobleme eine Rolle spielen. Ab etwa 35 Jahren sind häufiger Erkrankungen der Herzkranzgefäße die Ursache. Das Tückische: Manche Betroffene fühlen sich völlig fit und bemerken lange keine Beschwerden.
Du träumst davon, einmal einen Marathon zu laufen? Dann lohnt sich vor allem bei bekannten Risikofaktoren oder nach längerer Sportpause ein ärztlicher Gesundheitscheck. Dabei können Blutdruck, Cholesterinwerte und die persönliche Krankengeschichte überprüft werden. Je nach Alter, Beschwerden und Risiko können auch ein EKG oder weitere Untersuchungen sinnvoll sein.
Besonders wichtig: Brustschmerzen, ungewöhnliche Atemnot, Ohnmachtsanfälle oder Herzrasen beim Sport solltest du nicht ignorieren, sondern medizinisch abklären lassen.
Grundsätzlich können sich viele Menschen mit ausreichend Zeit und passendem Training auf die lange Distanz vorbereiten. Entscheidend ist, nicht von null auf 42 Kilometer durchzustarten: Wer zunächst zwischen Gehen und lockerem Laufen wechselt und seine Ausdauer über Monate langsam steigert, gibt dem Körper Zeit, sich anzupassen.
Auch Erholungstage gehören dazu. Denn nicht nur die Beine, sondern der gesamte Organismus muss sich an die Belastung gewöhnen.
Für die meisten gesunden, gut vorbereiteten Menschen überwiegen die Vorteile des regelmäßigen Trainings. Ein Marathon selbst bleibt allerdings eine außergewöhnliche körperliche Herausforderung.