Am Montagabend haben sich sieben Kandidaten einer öffentlichen Debatte über den ORF-Chefsposten gestellt. Sie alle hatten die Einladung zumindest eines Stiftungsrats für das offizielle Hearing am Donnerstag.
An der Diskussion, die auf ORF III übertragen wurde, nahmen Clemens Pig, Lisa Totzauer, Kathrin Zierhut-Kunz, Eva Schütz, Robert Altenburger, Johann Larcher und Markus Breitenecker teil. Am Dienstag kamen zwei weitere offizielle Kandidatinnen dazu.
"Schuld" daran: die als SPÖ-nahe geltende Andrea Schellner. Sie wurde vom Publikumsrat in den Stiftungsrat entsandt. Die Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin hat sowohl die ORF-"Rebellin" Sonja Sagmeister, die mit dem Sender im rechtlichen Clinch liegt, als auch die ehemalige ORF-Managerin Petra Höfer für das Hearing im Stiftungsrat nominiert.
Dort dürfen alle Kandidaten 20 Minuten lang den 35 Mitgliedern ihre Konzepte präsentieren. Dann können Fragen gestellt werden. Im Anschluss findet die Wahl statt. Kuriosum: Die findet zwar "geheim" in Wahlzellen statt. Die Stimmzettel sind aber namentlich markiert.
Sagmeister gab ihre Nominierung selbst per Aussendung bekannt. Darin wird Schellner wie folgt zitiert: "Einige Kandidaten haben sich gestern in der Elefantenrunde auf ORF III disqualifiziert. Ich habe mich daher entschieden, Dr. Sonja Sagmeister als ORF-Generalskandidatin für das Hearing zu nominieren."
Die ORF-"Rebellin" bezeichnet sich selbst als "Kandidatin der Publikumsherzen". Ihr Programm definiert sie als "Gegen Postendeals, für Stärkung von unabhängigem Journalismus".
Sagmeister war wegen eines veritablen Rechtsstreits mit dem Sender in die Schlagzeilen geraten. Auslöser: ihre Kündigung. Die bekämpfte sie vor Gericht und bekam letztlich vom Oberlandesgericht Wien recht. Dieses beurteilte ihren Rauswurf als unrechtmäßig.
Die ehemalige ORF-Managerin Petra Höfer, die 25 Jahre im Unternehmen tätig war, wurde nicht einfach entlassen, sondern nach juristischen Auseinandersetzungen gekündigt, nachdem sie ihrem damaligen Vorgesetzten Vorwürfe wegen sexueller Belästigung, Mobbing und Machtmissbrauch gemacht hatte. Jetzt will sie’s noch einmal wissen.