Man beginnt eine neue Creme, ein Serum oder ein starkes Peeling und plötzlich wird die Haut schlechter – mehr Pickel, mehr Mitesser, mehr Rötungen. Ein Horror für alle, die sich eigentlich ein besseres Hautbild wünschen. Doch was aussieht wie ein Fehlkauf, kann tatsächlich ein ganz normaler Prozess sein, nämlich "Skin Purging". Wiener Dermatologin Barbara Franz erklärt, warum diese Erstverschlimmerung oft ein Zeichen dafür ist, dass Wirkstoffe ihre Arbeit tun und wie man erkennt, ob es sich um eine harmlose Reinigungsreaktion oder eine echte Unverträglichkeit handelt.
Franz beschreibt "Skin Purging" als "eine vorübergehende Reinigungsreaktion der Haut". Dahinter steckt ein biologischer Mechanismus: Wirkstoffe, die die Zellerneuerung beschleunigen, bringen tieferliegende Unreinheiten schneller an die Oberfläche. "Verstopfungen, die sich ohnehin entwickelt hätten, erscheinen komprimiert in einem kürzeren Zeitraum", erklärt sie gegenüber "Heute". Optisch wirkt das wie eine Verschlechterung – tatsächlich handelt es sich aber um einen beschleunigten Regenerationsprozess, bei dem die Haut alte Ablagerungen schneller loswird.
Die Erstverschlimmerung tritt immer dann auf, wenn Kosmetika in den Zellzyklus eingreifen oder komedogene Ablagerungen aus den Poren lösen. Die Wiener Hautärztin nennt besonders häufige Auslöser wie Retinoide, also etwa Retinol oder Tretinoin. Auch chemische Peelings wie AHA (Glykolsäure, Milchsäure) oder BHA (Salicylsäure) beschleunigen den Zellumsatz, ebenso wie manche Formen von Benzoylperoxid.
Selbst professionelle Behandlungen können ein "Purging" anstoßen, wie Mikrodermabrasion oder stärkere Peelings. Der Grund ist immer derselbe: Die Haut arbeitet auf Hochtouren und zeigt das, was ohnehin "im Untergrund" schlummerte, so Franz.
Geduld ist hier das A und O: "In der Regel normalisiert sich die Haut innerhalb eines vollständigen Hautzyklus – also etwa nach vier bis acht Wochen", erklärt die Dermatologin. Bei sensibler Haut oder besonders starken Wirkstoffen kann es etwas länger dauern. Entscheidend ist die richtige Anwendung: Neue Produkte sollten langsam gesteigert werden, damit die Hautbarriere genügend Zeit hat, sich anzupassen. Sobald tieferliegende Unreinheiten abgebaut sind und die Haut sich stabilisiert hat, wird das Hautbild meist klarer und ebenmäßiger.
Bei jeder Verschlechterung handelt es sich nicht immer um das "Skin Purging". Franz betont, dass das "Muster" der Hautreaktion ausschlaggebend ist. Die Erstverschlimmerung zeigt sich in den Bereichen, in denen ohnehin Unreinheiten auftreten – typischerweise am Kinn, an der Stirn oder in der T-Zone. Die Haut kann sensibler sein, bleibt aber im Gesamteindruck stabil.
Eine Unverträglichkeit hingegen äußert sich oft anders: durch diffuse Rötungen, brennende oder juckende Haut, flächige Irritationen oder neue Problemzonen, die vorher nicht betroffen waren. Auch Ekzeme oder stark schuppende Haut gelten als Warnsignale. Verschlechtern sich Symptome zunehmend, statt abzuflachen, handelt es sich fast immer nicht um "Purging".