Du stehst auf einer Party neben jemandem, den du kaum kennst. Eigentlich könntest du einfach etwas sagen. Stattdessen läuft im Kopf bereits das große Casting für den perfekten Gesprächseinstieg: Ist die Frage langweilig? Klingt das komisch? Was, wenn danach peinliche Stille herrscht?
Psychologin Ashley Smith rät laut "HuffPost" dazu, eine gewisse Unsicherheit in Gesprächen auszuhalten. Nicht jeder Satz muss clever sein, nicht jede Pause elegant überspielt werden und nicht jedes Gespräch sofort zünden. Wer Smalltalk schwierig findet, wartet häufig darauf, sich irgendwann selbstbewusst genug dafür zu fühlen. Doch laut Smith kann es genau andersherum funktionieren: Erst machen, dann kommt die Sicherheit.
Das kann schon mit winzigen Situationen beginnen. Einen Fremden grüßen, jemandem ein ehrliches Kompliment machen oder im Geschäft eine Frage stellen. Je öfter du solche kleinen Begegnungen zulässt, desto weniger außergewöhnlich fühlen sie sich an.
Auch Paar- und Familientherapeutin Kati Morton betrachtet gute Gespräche als Fähigkeit, die sich üben lässt. Das nimmt schon einmal ordentlich Druck heraus: Du musst deinem Gegenüber weder eine spektakuläre Geschichte erzählen noch permanent besonders witzig sein. Oft ist ehrliche Neugier der wesentlich bessere Gesprächsmotor.
Statt eine Frage zu stellen, die sich mit "Ja", "Nein" oder einem einzigen Satz erledigen lässt, kannst du deinem Gegenüber etwas mehr Raum geben.
Aus dem Klassiker "Was machst du beruflich?" könnte beispielsweise werden: "Wie bist du eigentlich dazu gekommen?" Und statt "War dein Wochenende gut?" kannst du fragen: "Was war das Beste an deinem Wochenende?"
Noch wichtiger als die perfekte Einstiegsfrage ist allerdings das, was danach passiert. Erzählt dein Gegenüber beispielsweise von einer Reise nach Italien, musst du im Kopf nicht bereits verzweifelt das nächste Thema suchen. Bleib einfach bei dem, was gerade erzählt wurde.
"Wo warst du genau?", "Was hat dir dort am besten gefallen?" oder "Würdest du wieder hinfahren?" können ein Gespräch ganz natürlich weitertragen. Das unterscheidet ein echtes Gespräch von einem Fragenkatalog: Du arbeitest nicht deine vorbereiteten Themen ab, sondern reagierst auf das, was die andere Person tatsächlich sagt.
Nur Fragen zu stellen, ist ebenfalls nicht die Lösung. Sonst fühlt sich das Kennenlernen irgendwann wie ein Bewerbungsgespräch an.
Erzähle deshalb ruhig auch kleine Dinge über dich selbst. Wenn jemand von einem chaotischen Urlaub berichtet, kannst du beispielsweise eine ähnliche Geschichte teilen. Eine kleine Portion persönlicher Offenheit gibt deinem Gegenüber wiederum die Möglichkeit, daran anzuknüpfen. So entsteht im besten Fall ein Hin und Her – statt Frage, Antwort, nächste Frage.
Ein weiterer Smalltalk-Killer passiert komplett im Kopf: Während die andere Person noch spricht, bastelst du bereits an deiner nächsten möglichst klugen Antwort. Damit verpasst du womöglich genau jene Details, aus denen sich das Gespräch von selbst weiterentwickeln würde.
Versuche deshalb, wirklich zuzuhören. Manchmal braucht es auch gar keinen cleveren Kommentar. Ein einfaches "Das klingt richtig anstrengend" oder "Das hätte mich auch gefreut" zeigt deinem Gegenüber, dass seine Geschichte angekommen ist.
Und das Smartphone? Darf währenddessen ruhig in der Tasche bleiben. Aktive Handynutzung während persönlicher Gespräche kann Aufmerksamkeit und Verbindung stören; bei der bloßen Anwesenheit eines Smartphones ist die Forschung allerdings weniger eindeutig, als oft behauptet wird.