Manchmal braucht es weder teure Tests noch komplizierte Geräte, um mehr über den eigenen Körper zu erfahren. Ein Blick auf die Uhr – und eine Portion Rote Rüben – kann bereits einen spannenden Hinweis darauf liefern, wie schnell deine Verdauung arbeitet.
Die deutsche Ärztin und Ernährungsmedizinerin Luisa Werner, die sich auf Darmgesundheit spezialisiert hat, erklärt einen einfachen Selbsttest, mit dem sich die sogenannte Darmtransitzeit grob bestimmen lässt. Gemeint ist damit jene Zeit, die Nahrung benötigt, um den Verdauungstrakt zu passieren.
Der Trick klingt zunächst ungewöhnlich, ist aber denkbar einfach: Du isst eine Portion Rote Rüben und merkst dir den Zeitpunkt. Anschließend achtest du darauf, wann sich dein Stuhl erstmals rötlich bis violett verfärbt.
Grund dafür sind die kräftigen Farbstoffe der Roten Rübe. Sie können den Verdauungstrakt passieren und später deutlich sichtbar wieder auftauchen. Die Verfärbung ist nach dem Verzehr von Roten Rüben in der Regel harmlos. Auch andere Lebensmittel und Präparate können übrigens die Farbe verändern. Eisenpräparate beispielsweise lassen den Stuhl bei manchen Menschen sehr dunkel oder grünlich erscheinen.
In ihrem Buch "Darm gut, alles gut" beschreibt Werner, dass die Darmtransitzeit idealerweise ungefähr zwischen 24 und 48 Stunden liegen sollte. Wer nach dem Rote-Rüben-Test außerhalb dieses Fensters liegt, muss allerdings nicht sofort nervös werden. Denn Verdauung ist individuell: In einer Untersuchung mit gesunden Erwachsenen wurden Transitzeiten zwischen 12,4 und 72,3 Stunden festgestellt. Ein einzelner Selbsttest ist deshalb keine Diagnose, sondern kann höchstens einen groben Anhaltspunkt liefern.
Wie schnell Nahrung durch den Körper wandert, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Ballaststoffreiche Ernährung, Kaffee und viel Bewegung können die Verdauung beeinflussen. Auch Stress oder hormonelle Veränderungen können dazu führen, dass plötzlich mehr Tempo im Darm herrscht.
Werner zufolge kann bei einer sehr kurzen Transitzeit weniger Zeit für Verdauungs- und Aufnahmeprozesse zur Verfügung stehen. Liegt die Zeit unter 24 Stunden, ist das allein aber noch kein Grund zur Sorge – insbesondere dann nicht, wenn keine Beschwerden auftreten und der Stuhl nicht dauerhaft flüssig ist.
Anders sieht es aus, wenn das Essen regelmäßig besonders lange unterwegs ist. Eine Transitzeit von mehr als 48 Stunden kann laut Werner auf eine langsame Verdauung beziehungsweise Verstopfung hindeuten.
Dann können bereits Veränderungen im Alltag helfen. Ausreichend zu trinken und mehr ballaststoffreiche Lebensmittel zu essen, kann die Verdauung unterstützen. Auch Flohsamenschalen kommen dafür infrage – dabei ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig. Wer jedoch regelmäßig unter Verstopfung, Durchfall, Schmerzen oder anderen Verdauungsproblemen leidet, sollte sich nicht allein auf einen Selbsttest verlassen, sondern die Beschwerden medizinisch abklären lassen.
Nicht jede ungewöhnliche Farbe hat mit einer Erkrankung zu tun. Rote Rüben können rot-violette Spuren hinterlassen, andere Lebensmittel wiederum grüne oder dunklere Verfärbungen verursachen. Auch die verzehrte Menge entscheidet darüber, wie deutlich der Effekt ausfällt.
Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzusehen: Bleibt eine auffällige Verfärbung mehrere Tage bestehen oder erscheint der Stuhl ohne nachvollziehbaren Grund hellrot beziehungsweise schwarz und teerig, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Dahinter können unter anderem Blutungen stecken.