Für viele ist die Hautpflege-Routine frühmorgens schnell geschafft: Wasser, Waschlotion und eine Feuchtigkeitscreme hat damals gereicht, um seine Haut schön zu pflegen. Heute besteht eine "Skincare"-Routine aus mindestens sechs Produkten – meist harmonieren die Mittel miteinander dann auch nicht. Säurehaltige Toner, Multivitamin-Seren, Kollagen-Booster, Glow-Cremes und glitzernde Augenpads werden nacheinander aufgetragen – verzichten kann man auf keinen Schritt. Wieso das schiefgehen kann.
Die meisten Beauty-Affinen vergessen darauf, dass die Haut keine Leinwand ist, die man mit unzähligen Kosmetikprodukten schichten kann. Sie ist ein Organ mit einem sehr empfindlichen Mikrobiom: Wird die Haut mit Reizen, wie Peelingsäuren mit Retinol oder Duftstoffen bombardiert, leidet sie enorm. Die Hautbarriere wird dünner und brüchig – die Folgen erkennt man schnell: Rötungen, Brennen und Schuppenbildung. Influencerin und Model Julia Wulf erzählt selber davon, wie sie sich ihre Haut "überpflegt" hat. Alleine ist die TikTokerin mit ihrer Mundrose nicht: In den Kommentaren berichten User davon, selbst ihre Haut mit unzähligen Hautpflege-Produkte belastet zu haben.
Sandy Skotnicki, Dermatologin aus Kanada, erzählt im "New York Post"-Interview, dass sie immer mehr Patienten in die Ordination willkommen heißen muss, die überzeugt sind, plötzlich empfindliche Haut entwickelt zu haben. Den Hauttyp haben sie aber nicht vererbt bekommen, sondern sich durch Kosmetika selbst eingeschleust. Die Hautärztin nennt es "Influencer-Irritation": Oft sind Patienten sehr gut informiert, haben Dutzende von TikTok-Clips gesehen und studiert, bevor sie Produkte kaufen. Durch virale Trends gerät man in den Teufelskreis: Mit jeder neuen Kosmetik, die von anderen Influencern oder Promis beworben wird, probiert man sich aus. Das Ergebnis: Die Haut rötet sich, egal welches Produkt aufgetragen wird.
Eine Studie der Northwestern University in Chicago zeigte neulich, dass Teenager und sogar Kinder im Alter von 11 Jahren bereits durchschnittlich sechs Produkte pro Hautpflege-Routine verwenden – manche verwenden sogar mehr als ein Dutzend. Was dabei auffällt: Kosmetika wie Sonnenschutz werden vergessen und die Säuren sind für das Gesicht zu aggressiv.
Durch Hypes und Trends auf Social-Media-Plattformen schaffen es viele nicht, auf die unzähligen Hautpflege-Produkte verzichten zu können: Sie kaufen und cremen sich weiter mit Lotionen, Tonern, Seren, Peelings und Reinigungsmitteln ein, ohne besonders auf die Inhaltsstoffe zu achten.
Um seine Haut nicht zu sensibilisieren, empfehlen Experten andere Hautpflege-Routinen - ein Beispiel wäre das "Skin-Cycling": Dabei werden Tage mit starken Wirkstoffen abgewechselt, um Risiken zu reduzieren und den Nutzen der Produkte zu maximieren. Manche verzichten auch bewusst auf verdächtige Kosmetika oder setzen diese sogar ab, sofern man den Eindruck hat, dass diese für die Hautprobleme verantwortlich ist. Meist reicht ein sanfter Reinigungsschaum, eine nicht parfümierte Feuchtigkeitscreme und ein guter Sonnenschutz, um die Haut gut genug zu pflegen.