Der Duft zieht durch die Küche, die Maschine brummt – und für viele beginnt der Tag erst mit dem ersten Schluck Kaffee so richtig. Doch während wir uns Gedanken über Sorte, Stärke oder Milch machen, könnte ein ganz anderer Faktor entscheidend sein: die Uhrzeit.
Eine große Studie legt nahe, dass Kaffee vor allem am Morgen mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden ist. Dafür analysierten Forschende Daten von mehr als 40.000 Erwachsenen aus den USA und identifizierten zwei typische Trinkmuster: Rund 36 Prozent gehörten zum "Morgentyp" und tranken ihren Kaffee überwiegend vor Mittag. Eine deutlich kleinere Gruppe verteilte ihren Kaffee dagegen über den gesamten Tag – also auch auf Nachmittag und Abend.
Während einer Beobachtungszeit von im Mittel knapp zehn Jahren wurden 4.295 Todesfälle erfasst. Menschen mit einem morgendlichen Kaffeemuster hatten im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern ein 16 Prozent niedrigeres Risiko, im Beobachtungszeitraum zu sterben. Bei Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag das statistische Risiko sogar 31 Prozent niedriger.
Der Zusammenhang zeigte sich sowohl bei moderatem als auch bei höherem Kaffeekonsum. Bei Personen, die höchstens eine Tasse am Morgen tranken, fiel er schwächer aus. Besonders spannend: Bei jenen Teilnehmern, die ihren Kaffee über den ganzen Tag verteilt tranken, ließ sich gegenüber Nicht-Kaffeetrinkern keine statistisch signifikante Verringerung dieser Risiken feststellen.
Warum der Morgen offenbar die Nase vorn hat, kann die Studie allerdings nicht beantworten. Studienleiter Lu Qi von der Tulane University nennt den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus als mögliche Erklärung.
Kaffee am Nachmittag oder Abend könnte den zirkadianen Rhythmus sowie Hormone wie Melatonin beeinflussen. Das wiederum könnte sich auf Faktoren wie Entzündungsprozesse und Blutdruck auswirken. Bislang handelt es sich dabei jedoch um eine Hypothese, nicht um einen nachgewiesenen Mechanismus.
Immer wieder ist zu lesen, man solle mit dem ersten Kaffee nach dem Aufstehen 60 bis 90 Minuten warten. Als Begründung wird häufig der morgendliche Anstieg des Stresshormons Cortisol genannt. Für eine allgemeingültige Regel, wonach Kaffee exakt eine oder eineinhalb Stunden nach dem Aufstehen am gesündesten sei, liefert die aktuelle Studie allerdings keinen Beleg. Sie untersuchte größere Zeitfenster: Als Morgen galt der Zeitraum von 4 Uhr bis 11.59 Uhr.