Vorgezogene Neuwahlen sind in Österreich traditionell alles andere als beliebt. Doch mit der derzeitigen Regierung hat sich das offenbar etwas geändert. Diesen Schluss legt zumindest eine aktuelle Umfrage von "Unique Research" für "Heute" nahe (500 Befragte ab 16 Jahren, online vom 5. bis 8. Jänner, maximale Schwankungsbreite ±4,4 Prozent). Das sind die Ergebnisse im Detail:
28 Prozent der Befragten sprechen sich "sehr" für eine vorgezogene Wahl aus, weitere 15 Prozent sind "eher" dafür. Damit ergibt sich ein Patt mit den Gegnern eines früheren Wahlgangs. Auch diese kommen auf 43 Prozent: 23 Prozent sind "sehr" dagegen, 20 Prozent "eher" dagegen.
Mit gleich 92 Prozent ist die Sehnsucht nach Neuwahlen bei FPÖ-Anhängern überwältigend groß. Nur fünf Prozent wollen, dass die Regierung bis zum regulären Ende der Legislaturperiode im Jahr 2029 im Amt bleibt.
Bei Wählern der Koalition ist die Unzufriedenheit mit der Performance bei SPÖ-Fans am größten. Immerhin 25 Prozent von ihnen wollen die Wahl vorverlegen. Zum Vergleich: Bei ÖVP- und Grün-Wählern sind es jeweils 19 Prozent, bei Anhängern der Neos überhaupt nur 14 Prozent.
Spannend ist der Blick auf die Unterschiede nach Altersgruppen: Während sich 41 Prozent der 16- bis 29-Jährigen für Neuwahlen 2026 aussprechen, liegt dieser Anteil bei 30- bis 59-Jährigen sogar bei 50 Prozent (dagegen sind 38 Prozent).
Am geringsten ist der Anteil der Neuwahl-Befürworter unter den Befragten ab 60 Jahren. 34 Prozent wollen die Regierung vorzeitig loswerden, 58 Prozent sind gegen eine vorgezogene Wahl.
Sowohl 43 Prozent der weiblichen Befragten als auch 43 Prozent der Männer sind für einen früheren Urnengang. Männer lehnen einen solchen zu 46 Prozent ab, bei Frauen sind es 40 Prozent.
Befragte mit Matura sind zu 58 Prozent gegen eine vorgezogene Wahl, bei jenen ohne Matura sind es nur 37 Prozent. Hier sind die Neuwahl-Befürworter mit 50 zu 37 Prozent sogar in der Mehrheit.
„Die Stimmung sehr beweglich, kann in die eine als auch andere Richtung kippen.“Peter HajekMeinungsforscher und Politik-Experte, "Unique Research"
Wie analysiert "Unique Research"-Meinungsforscher und Politik-Experte Peter Hajek diese Ergebnisse? "Heute" fragte nach: "Aktuell gibt es keine Mehrheit für vorgezogene Neuwahlen. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist es aber auch nicht so, dass sich eine klare Mehrheit für ein Fortsetzen der Regierungsarbeit bis zum Ende der Legislaturperiode ausspricht. Die Stimmung ist aktuell sehr beweglich und kann sowohl in die eine als auch andere Richtung kippen."
Es liege jetzt also an der Bundesregierung, zumindest Teile der kritischen Wählerschaft von der Regierungsarbeit zu überzeugen. "Der viel diskutierte Austausch an den Parteispitzen von SPÖ und ÖVP wird wenig daran ändern. Man muss inhaltlich liefern", so Hajeks Resümee.