Auf Tarnmodus

"Brillant" – Eltern verstecken ihr Handy in Fake-Buch

Viele Eltern wollen weniger aufs Handy schauen – zumindest vor ihren Kindern. Eine ungewöhnliche Erfindung könnte das Problem endlich lösen.
Heute Life
14.05.2026, 08:50
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Viele Eltern kennen das Problem: Das Handy ist im Alltag ständig notwendig – doch gleichzeitig soll das eigene Kind nicht permanent sehen, wie Mama oder Papa aufs Display starren. Genau daraus entstand jetzt eine Erfindung, die im Netz für Diskussionen sorgt: Ein Buch, das in Wahrheit nur ein Versteck fürs Smartphone ist.

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Das Handy verschwindet im Buch

Erfunden wurde das ungewöhnliche Produkt von der Griechin Foula Papadopoulou. Nach der Geburt ihres Sohnes arbeitete sie oft von zuhause aus und musste dabei regelmäßig aufs Smartphone schauen – sei es wegen E-Mails, Nachrichten oder organisatorischer Dinge. Doch jedes Mal, wenn ihr kleiner Sohn sie ständig am Handy sah, bekam sie ein schlechtes Gewissen. Anfangs versteckte sie das Smartphone noch unter Polstern oder Decken. Irgendwann entstand daraus eine Idee.

Nach mehreren Prototypen entwickelte sie schließlich das "Peek A Book": ein täuschend echtes Hardcover-Buch mit Magnetverschluss, in dessen Innerem ein Smartphone Platz findet. Von außen sieht alles aus wie ein gewöhnliches Buch – tatsächlich wird darin aber gescrollt, getippt oder gearbeitet.

Millionen lachen – und diskutieren

Auf Social Media verbreitete sich die Idee rasend schnell. Videos zum Produkt erreichen inzwischen hunderttausende Aufrufe. Die Kommentare darunter könnten allerdings unterschiedlicher kaum sein.

Viele feiern die Idee regelrecht: "Brillant", "So clever" oder "Das habe ich sofort bestellt", schreiben Nutzer auf TikTok. Gerade Eltern kleiner Kinder fühlen sich offenbar ertappt. Viele erklären, dass sie das Smartphone nicht aus Spaß nutzen, sondern weil sich der Alltag ohne Handy kaum mehr organisieren lasse.

Kinder ahmen ihre Eltern nach

Auch die Gründer selbst verteidigen ihre Idee offensiv. In Videos erklärt Foulas Mann Michael Vlassis den Gedanken hinter dem Produkt: "Kinder tun nicht, was wir sagen, sie kopieren, was wir tun." Wenn das Kind die Eltern ständig ins Handy schauen sieht, hält es das für ganz normal. Das "Peek A Book" solle deshalb nicht täuschen, sondern den Bildschirm schlicht unsichtbarer machen.

Genial oder nur Selbstbetrug?

Nicht alle sind begeistert. Ein Nutzer auf TikTok nennt das Produkt "Hypocribook" – eine Mischung aus "Heuchler" und "Buch". "In 15 Jahren sitzt mein Kind dann mit dem Handy im Buch da und schaut TikToks", meint jemand. Ein anderer fragt, was der Unterschied sei, ob Eltern ins Handy oder ins Buch starren – die Aufmerksamkeit fürs Kind fehle in beiden Fällen.

"Geil, von Anfang an Kinder verarschen", schreibt ein User aus Deutschland. Ein Schweizer meint dazu: "Als ob wir die Kinder nicht sowieso schon mit Osterhasen und Nikolaus an der Nase herumführen."

"Das Kind lernt: Ich muss mich anstrengen, um wichtig zu sein"

Auch Kinder- und Jugendcoach Melania Montanari sieht das Problem tiefer. Für sie ist das Produkt vor allem ein Versuch, das schlechte Gewissen vieler Eltern zu beruhigen: "Das Gegenteil von einem Bildschirm ist nicht ein versteckter Bildschirm, sondern echte Anwesenheit."

Montanari verurteilt Eltern nicht, die viel am Handy sind. Oft ist das Handy das einzige Fenster nach draußen, wenn man stundenlang mit einem Kleinkind daheim sitzt. Doch meistens ist es kein Notfall, sondern einfach Gewohnheit – "aus Müdigkeit, Langeweile oder dem Wunsch nach einer kurzen Flucht aus dem Alltag".

Das eigentliche Problem liegt für die Expertin woanders: Kinder unter drei Jahren lernen durch das Zusammenspiel mit Erwachsenen, die da sind, reagieren und spiegeln. "Wenn Eltern zwar körperlich anwesend, aber geistig abwesend sind, entsteht beim Kind Unsicherheit", erklärt Montanari. Das prägt die Bindung auf Dauer. Ein Kind, das ständig um Aufmerksamkeit kämpfen muss, lernt unbewusst: "Ich muss mich anstrengen, um wichtig zu sein."

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