Du beißt genüsslich in einen knackigen Apfel, genießt das süß-säuerliche Fruchtfleisch und plötzlich knackt es zwischen deinen Zähnen. Ein Apfelkern! Schnell ausspucken oder einfach weitermachen? Schließlich hält sich seit Generationen das Gerücht, dass die kleinen braunen Kerne giftig sind. Doch wie gefährlich ist es tatsächlich, wenn du versehentlich einen erwischst? Die Antwort dürfte viele Apfelfans überraschen.
Äpfel gehören gerade im Herbst zu den beliebtesten Snacks. Sie liefern Ballaststoffe, Vitamin C und wertvolle Pflanzenstoffe. Doch ausgerechnet in ihrem Inneren versteckt sich eine Substanz, die es in sich hat. Apfelkerne enthalten Amygdalin: Wird dieser natürliche Pflanzenstoff beim Kauen aufgeschlossen und anschließend abgebaut, kann giftige Blausäure entstehen.
In größeren Mengen kann Blausäure schwere Vergiftungen mit Übelkeit, Atemnot und Krämpfen verursachen. Im schlimmsten Fall kann sie sogar tödlich wirken. Das klingt zunächst erschreckend, doch bei einem gewöhnlichen Apfel gibt es Entwarnung.
Wenn du versehentlich einen oder mehrere Apfelkerne verschluckst, musst du dir in der Regel keine Sorgen machen. Solange ihre harte Schale intakt bleibt, wird kaum Amygdalin freigesetzt. Und selbst wenn du einen Kern zerbeißt, ist die enthaltene Menge normalerweise viel zu gering, um bei einem gesunden Erwachsenen eine Vergiftung auszulösen.
Wichtig ist allerdings die Menge: Größere Mengen zerkaute oder zermahlene Apfelkerne solltest du bewusst nicht essen. Besonders bei Kindern ist wegen ihres geringeren Körpergewichts Vorsicht angebracht.
Grundsätzlich ja. Auch das faserige Kerngehäuse ist essbar und enthält Ballaststoffe. Wer seinen Apfel also gerne bis zum letzten Bissen verputzt, muss nicht jeden einzelnen Kern sorgfältig entfernen. Es gibt allerdings keinen gesundheitlichen Grund, die Kerne gezielt mitzuessen.
Und was ist mit Apfelsaft? Bei seiner Herstellung werden teilweise ganze Früchte verarbeitet. Untersuchungen der Universität Leeds konnten deshalb auch Amygdalin in manchen Säften nachweisen. Die gefundenen Mengen waren jedoch so gering, dass üblicher Apfelsaftkonsum kein vergleichbares Risiko darstellt.
Nicht alle Kerne sind so unproblematisch wie jene im Apfel. Besonders vor bitteren Aprikosenkernen und Bittermandeln warnt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung. Sie können deutlich größere Mengen cyanogener Pflanzenstoffe enthalten. Bereits wenige bittere Kerne können Vergiftungserscheinungen auslösen. Auch die inneren Samen von Pfirsich-, Kirsch- oder Pflaumensteinen solltest du nicht gezielt verzehren.