Plastik zwischen den Zähnen

Mikroplastik landet sogar beim Zähneputzen im Mund

Ob Zahnbürste oder Zahnseide – beim Zähneputzen kommst du an Plastik kaum vorbei. Wie viel davon tatsächlich im Körper landet, ist noch unklar.
Heute Life
15.05.2026, 14:49
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Zweimal täglich Zähneputzen, Zahnseide verwenden und Mundhygiene ernst nehmen – genau das gilt eigentlich als wichtiger Beitrag für die Gesundheit. Doch ausgerechnet dabei könnten wir tagtäglich winzige Plastikteilchen aufnehmen, ohne es zu merken. Denn viele Zahnbürsten, Zahnseiden und sogar Verpackungen von Zahnpasta bestehen größtenteils aus Kunststoff.

Experten warnen deshalb zunehmend davor, dass beim Putzen Mikroplastik freigesetzt werden könnte. Panik sei zwar nicht angebracht – dennoch lohnt sich ein genauer Blick auf das, was täglich im Mund landet.

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Warum Zahnbürsten Mikroplastik freisetzen können

"Zahnbürsten haben meist Nylonborsten und Zahnseide ist im Grunde ein Plastikfaden", erklärt die italienische Oralchirurgin Federica Di Spirito gegenüber der "New York Times". Selbst bei vielen Bambus-Zahnbürsten ist das der Fall. Durch die tägliche Reibung beim Putzen oder Reinigen der Zahnzwischenräume können sich dabei kleinste Partikel lösen.

Was ist Mikroplastik überhaupt?

Mikroplastik sind winzige Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Man unterscheidet zwischen absichtlich hergestelltem Mikroplastik (etwa in Kosmetik oder Waschmitteln) und sekundärem Mikroplastik, das entsteht, wenn größere Plastikteile durch Sonne, Wind oder Wasser langsam zerfallen.

Gelangt Mikroplastik wirklich in den Körper?

Noch weiß niemand genau, wie viele Partikel durch Dentalprodukte tatsächlich freigesetzt werden – und wie viele davon auch wirklich im Körper landen. "Nur weil Mikroplastik freigesetzt wird, bedeutet das nicht automatisch, dass es in unserem Körper landet", so Sanjay Mohanty, Umwelttechniker, im "The New York Times"-Interview.

Ein Großteil davon wird vermutlich ausgespuckt oder wieder ausgespült, statt einfach geschluckt. "Theoretisch können Mikroplastikpartikel aber über winzige Verletzungen im Zahnfleisch in den Körper gelangen, durch das Gewebe im Mund dringen oder einfach verschluckt werden", verrät Di Spirito.

Wie gefährlich ist das eigentlich?

Forschende vermuten, dass Mikroplastik der Gesundheit schadet. "Es könnte verschiedene Gesundheitsrisiken mit sich bringen, einschließlich Entzündungsreaktionen und möglicherweise die Beeinträchtigung von Organfunktionen", so Lukas Kenner, Pathologe und Krebsforscher im Rahmen einer Studie aus 2024. Belegt ist das bisher aber nicht. Auch ein möglicher Zusammenhang mit Krebs ist noch nicht eindeutig bewiesen.

"Wir können jedoch im Labor schon zeigen, dass Mikro- und Nanoplastikpartikel die Fähigkeit zur Ausbreitung von Tumorzellen begünstigen können", so Kenner.

Warum Zähneputzen trotzdem wichtiger bleibt

Trotz aller Diskussionen betonen Experten ganz klar: Die Vorteile von Zahnhygiene sind deutlich besser belegt als mögliche Risiken durch Mikroplastik. Niemand sollte deshalb auf Zahnbürste oder Zahnseide verzichten. Stattdessen gehe es laut Experten eher um bewusstes Risikomanagement.

So kannst du die Belastung reduzieren

Wer möchte, kann dennoch einige einfache Dinge beachten.

1
Sanft putzen statt wild schrubben
Wer beim Zähneputzen zu fest aufdrückt oder die Zahnseide zu heftig zieht, kann nicht nur das Zahnfleisch reizen, sondern auch mehr Mikroplastik lösen. Zahnärzte empfehlen ohnehin weiche Borsten und sanfte Bewegungen.
2
Zahnbürste regelmäßig wechseln
Ausgefranste Borsten zerbröseln schneller. Darum solltest du deine Zahnbürste spätestens alle drei bis vier Monate austauschen – oder früher, wenn sie schon abgenutzt aussieht.
3
Hitze vermeiden
"UV-Licht und hohe Temperaturen lassen Plastik schneller zerfallen", sagt Mohanty. Experten raten deshalb davon ab, Zahnbürsten mit extrem heißem Wasser oder UV-Geräten zu reinigen.
4
Nach dem Putzen gut ausspucken
Viele Zahnärzte raten zwar, nach dem Putzen nicht zu gründlich auszuspülen, damit das Fluorid länger auf den Zähnen bleibt. Ein kleiner Schluck Wasser kann laut Mohanty aber helfen, mögliche Rückstände auszuspülen.

Am Ende gilt deshalb vor allem eines: keine Panik. Denn auch wenn die Forschung weiterläuft, bleibt gründliche Zahnpflege nach wie vor deutlich wichtiger als die Angst vor einzelnen Plastikpartikeln.

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