Zweimal täglich Zähneputzen, Zahnseide verwenden und Mundhygiene ernst nehmen – genau das gilt eigentlich als wichtiger Beitrag für die Gesundheit. Doch ausgerechnet dabei könnten wir tagtäglich winzige Plastikteilchen aufnehmen, ohne es zu merken. Denn viele Zahnbürsten, Zahnseiden und sogar Verpackungen von Zahnpasta bestehen größtenteils aus Kunststoff.
Experten warnen deshalb zunehmend davor, dass beim Putzen Mikroplastik freigesetzt werden könnte. Panik sei zwar nicht angebracht – dennoch lohnt sich ein genauer Blick auf das, was täglich im Mund landet.
"Zahnbürsten haben meist Nylonborsten und Zahnseide ist im Grunde ein Plastikfaden", erklärt die italienische Oralchirurgin Federica Di Spirito gegenüber der "New York Times". Selbst bei vielen Bambus-Zahnbürsten ist das der Fall. Durch die tägliche Reibung beim Putzen oder Reinigen der Zahnzwischenräume können sich dabei kleinste Partikel lösen.
Was ist Mikroplastik überhaupt?
Mikroplastik sind winzige Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Man unterscheidet zwischen absichtlich hergestelltem Mikroplastik (etwa in Kosmetik oder Waschmitteln) und sekundärem Mikroplastik, das entsteht, wenn größere Plastikteile durch Sonne, Wind oder Wasser langsam zerfallen.
Noch weiß niemand genau, wie viele Partikel durch Dentalprodukte tatsächlich freigesetzt werden – und wie viele davon auch wirklich im Körper landen. "Nur weil Mikroplastik freigesetzt wird, bedeutet das nicht automatisch, dass es in unserem Körper landet", so Sanjay Mohanty, Umwelttechniker, im "The New York Times"-Interview.
Ein Großteil davon wird vermutlich ausgespuckt oder wieder ausgespült, statt einfach geschluckt. "Theoretisch können Mikroplastikpartikel aber über winzige Verletzungen im Zahnfleisch in den Körper gelangen, durch das Gewebe im Mund dringen oder einfach verschluckt werden", verrät Di Spirito.
Forschende vermuten, dass Mikroplastik der Gesundheit schadet. "Es könnte verschiedene Gesundheitsrisiken mit sich bringen, einschließlich Entzündungsreaktionen und möglicherweise die Beeinträchtigung von Organfunktionen", so Lukas Kenner, Pathologe und Krebsforscher im Rahmen einer Studie aus 2024. Belegt ist das bisher aber nicht. Auch ein möglicher Zusammenhang mit Krebs ist noch nicht eindeutig bewiesen.
"Wir können jedoch im Labor schon zeigen, dass Mikro- und Nanoplastikpartikel die Fähigkeit zur Ausbreitung von Tumorzellen begünstigen können", so Kenner.
Trotz aller Diskussionen betonen Experten ganz klar: Die Vorteile von Zahnhygiene sind deutlich besser belegt als mögliche Risiken durch Mikroplastik. Niemand sollte deshalb auf Zahnbürste oder Zahnseide verzichten. Stattdessen gehe es laut Experten eher um bewusstes Risikomanagement.
Wer möchte, kann dennoch einige einfache Dinge beachten.
Am Ende gilt deshalb vor allem eines: keine Panik. Denn auch wenn die Forschung weiterläuft, bleibt gründliche Zahnpflege nach wie vor deutlich wichtiger als die Angst vor einzelnen Plastikpartikeln.