Außen goldbraun und knusprig, innen weich und flaumig: So muss die perfekte Semmel für viele Österreicher schmecken. Ob mit Butter zum Frühstück, als schnelle Jause oder gefüllt mit Leberkäse – das beliebte Gebäck gehört für viele einfach dazu. Doch hält die Semmel aus dem Supermarkt geschmacklich mit jener vom Bäcker mit? Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 25 Produkte unter die Lupe genommen.
Gemeinsam mit der AMA Marketing kaufte der VKI verschiedene Semmeln in Wien und Niederösterreich ein. Darunter waren klassische Kaisersemmeln, Lang-, Knopf- und Handsemmeln sowie Aufbackprodukte.
Anschließend wurde genau hingeschaut – und hingeschmeckt. Fachleute und Konsumenten bewerteten Geruch, Geschmack und Konsistenz. Im Labor wurden unter anderem Salzgehalt, Gewicht und mögliche Verunreinigungen untersucht. Das erfreuliche Ergebnis: Zwölf Semmeln erhielten ein "sehr gut", weitere zwölf ein "gut". Damit konnten 24 der 25 getesteten Produkte überzeugen.
Nur ein Gebäck schaffte es nicht in die beiden besten Bewertungskategorien: die Kaisersemmel aus der Hofer-Backbox. Bei der professionellen Verkostung fielen ein "leicht fremdartiger" Geruch und Geschmack auf. Auch Konsumenten waren wenig begeistert: Sie beschrieben die Semmel unter anderem als trocken und zäh. Einzelne Tester bemerkten sogar säuerliche oder alkoholische Geruchsnoten.
Der VKI vermutet, dass möglicherweise bei der Lagerung der tiefgekühlten Teiglinge oder beim Aufbacken in der getesteten Filiale etwas schiefgelaufen sein könnte. Ob das tatsächlich der Grund war, ist allerdings nicht geklärt.
Bei der Lebensmittelsicherheit gab es hingegen kaum etwas zu beanstanden. Weder Keime noch Schimmelpilze zeigten auffällige Werte. Vereinzelt nachgewiesene Schimmelpilzgifte lagen deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Eine Überraschung gab es dafür beim Salz: Im Schnitt enthielten die Semmeln rund 13 Prozent mehr Salz als angegeben. Bei einem Produkt lag die Abweichung sogar bei knapp 60 Prozent.
Durchschnittlich stecken in 100 Gramm Semmel etwa 1,6 Gramm Salz. Ein einzelnes Stück liefert ungefähr ein Gramm – und damit bereits ein Fünftel der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Tageshöchstmenge für Erwachsene.
Auch die Herkunft der Zutaten wurde überprüft. Von 25 Herstellern beantworteten 24 die Fragen des VKI. Sie alle gaben an, österreichisches Getreide zu verwenden und ihre Semmeln hierzulande herzustellen. Die Bäckerei Öfferl machte trotz mehrfacher Anfrage keine entsprechenden Angaben. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihre Rohstoffe nicht aus Österreich stammen.
Neun getestete Produkte tragen zudem ein AMA-Güte- oder AMA-Biosiegel, das die heimische Herkunft und Verarbeitung nach festgelegten Kriterien absichert.
Weniger erfreulich fiel der Blick auf die Produktinformationen aus. Während Zutatenlisten im Supermarkt häufig gut zugänglich sind, muss man in Bäckereien mitunter nachfragen. Bei manchen Backbox-Produkten führt erst ein QR-Code zur Auflistung. Gerade für Menschen, die auf tierische Zutaten verzichten, ist das wichtig: Einige Handsemmeln enthalten Butter oder Milchpulver. Auch das Stückgewicht fehlt häufig, was Preisvergleiche erschwert.