Gestern noch Regen, heute brütende Hitze – und ausgerechnet jetzt beginnt es hinter der Stirn zu pochen. Für viele Menschen fühlt sich ein Wetterumschwung nicht nur nach Abkühlung an, sondern macht sich direkt im Kopf bemerkbar. Besonders Migräne-Betroffene berichten immer wieder, bevorstehende Wetterwechsel regelrecht zu spüren.
In Befragungen nennen viele Migräne-Betroffene Wetterveränderungen als möglichen Auslöser ihrer Attacken. Eine große Auswertung von 31 Studien aus dem Jahr 2025 fand tatsächlich statistische Zusammenhänge zwischen Migräne sowie Veränderungen von Temperatur und Luftdruck. Bei der Luftfeuchtigkeit zeigte sich hingegen kein eindeutiges Bild. Das Problem: Ein Zusammenhang beweist noch nicht, dass das Wetter tatsächlich die Ursache der Kopfschmerzen ist. Und Studien kommen teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Das zeigte auch eine Untersuchung aus Wien. 238 Menschen mit Migräne dokumentierten 90 Tage lang ihre Beschwerden. Zunächst sah es nach bestimmten Wettereinflüssen aus. Bei genauerer statistischer Analyse konnten diese jedoch nicht eindeutig bestätigt werden.
Anders fiel eine größere Untersuchung aus Italien aus. Rund 1.800 Personen wurden über zwei Jahre beobachtet. Dabei gingen unter anderem Temperaturanstiege, höhere Luftfeuchtigkeit und niedrigerer Luftdruck in den Tagen zuvor mit mehr Notfällen aufgrund von Migräne einher.
Auch eine Analyse von Daten aus einer Kopfschmerz-App mit 4.375 Nutzern fand Hinweise: Niedriger beziehungsweise fallender Luftdruck, hohe Luftfeuchtigkeit und Regen traten gemeinsam mit mehr Kopfschmerz-Ereignissen auf. Auch hier gilt jedoch: Solche Beobachtungen zeigen Korrelationen – sie beweisen nicht, dass eine einzelne Wettervariable die Attacke ausgelöst hat.
Die Vorstellung klingt logisch: Der Luftdruck fällt und plötzlich entsteht auch Druck im Kopf. Ganz so funktioniert es aber nicht. Der Bio- und Umweltmeteorologe Andreas Matzarakis von der Universität Freiburg erklärte gegenüber "SRF", dass selbst der Unterschied zwischen einem Tief- und einem Hochdruckgebiet lediglich einer Höhenveränderung von ungefähr 300 bis 400 Metern entsprechen könne.
Warum manche Migräne-Betroffene dennoch empfindlich auf Luftdruckschwankungen reagieren könnten, ist bislang nicht abschließend geklärt. "Die Mechanismen dahinter bleiben unklar", schreiben die Neurologen Athina Papadopoulou und Marcus D'Souza vom Universitätsspital Basel.
Eine mögliche Erklärung: Wetterveränderungen könnten bei empfindlichen Personen Nervenzellen beeinflussen, die an Migräneattacken beteiligt sind. Denkbar ist auch, dass das Gehirn von Menschen mit Migräne grundsätzlich sensibler auf äußere Veränderungen reagiert.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Ein Wetterwechsel verändert selten nur eine Sache. Vor einem Gewitter können gleichzeitig Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit schwanken. Hitze wiederum kann Flüssigkeitsmangel begünstigen, den Schlaf verschlechtern oder den Kreislauf belasten. Damit kommen gleich mehrere potenzielle Kopfschmerz-Trigger zusammen. Welcher davon am Ende entscheidend war, lässt sich kaum auseinanderhalten.
Migräne-Auslöser sind ohnehin höchst individuell. Das zeigte eindrucksvoll eine 90-tägige Untersuchung mit 328 Betroffenen: Im Durchschnitt vermuteten die Teilnehmer bei sich 28 mögliche Trigger. Tatsächlich ließen sich pro Person aber nur rund 2,2 Faktoren mit den Attacken in Verbindung bringen.
Wer regelmäßig bei Wetterumschwüngen Kopfschmerzen bekommt, kann deshalb ein Kopfschmerz-Tagebuch führen und parallel Wetter, Schlaf, Stress, Flüssigkeitszufuhr und andere mögliche Faktoren notieren.