Während draußen der Regen gegen die Fensterscheiben prasselt, bleibt es drinnen lieber gemütlich und trocken. Die Fenster werden fest verschlossen – schließlich möchte man nicht noch mehr Feuchtigkeit in die eigenen vier Wände lassen. Doch dieser Gedanke beruht auf einem weitverbreiteten Irrtum.
Ob beim Kochen, Duschen oder ganz einfach durch unsere Atmung: Im Laufe des Tages gelangt ständig Feuchtigkeit in die Raumluft. Wird diese nicht regelmäßig ausgetauscht, kann sie sich an kalten Wänden und Fenstern niederschlagen.
Besonders im Herbst und Winter steigt dadurch das Schimmelrisiko. Auch Konzentration und Wohlbefinden können unter verbrauchter Raumluft leiden, wie die Verbraucherzentrale erklärt. Regelmäßiges Lüften ist deshalb unverzichtbar – und zwar unabhängig davon, ob draußen die Sonne scheint oder Regen fällt.
Die wichtigste Regel lautet: Auch bei Regen sollte regelmäßig gelüftet werden. Was viele nicht wissen: Selbst wenn die Luft draußen besonders feucht erscheint, kann sie nach dem Erwärmen in der Wohnung deutlich trockener sein als die verbrauchte Innenluft.
Der Grund liegt in der Temperatur. Kalte Luft kann weniger Wasserdampf enthalten als warme. Strömt beispielsweise zehn Grad kalte Außenluft mit 100 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit ins Zimmer und erwärmt sich dort auf 20 Grad, sinkt ihre relative Feuchtigkeit auf unter 55 Prozent. Damit kann der Luftaustausch sogar bei strömendem Regen helfen, überschüssige Feuchtigkeit aus den eigenen vier Wänden zu entfernen.
Ganz ohne Ausnahme gilt diese Regel allerdings nicht. Ist es draußen ähnlich warm wie drinnen oder sogar wärmer, kann die feuchte Außenluft den Raum zusätzlich belasten. Besonders an schwülen Sommertagen ist deshalb Vorsicht geboten. Entscheidend ist nicht allein die relative Luftfeuchtigkeit, sondern auch, wie viel Wasserdampf die Luft tatsächlich enthält. Im Winter funktioniert das Entfeuchten durch Lüften meist besonders gut, wenn kalte Außenluft anschließend wieder erwärmt wird.
Wichtig ist daher auch das richtige Heizen: Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Wohnräume nicht zu stark auskühlen zu lassen. Denn an kalten Oberflächen kann sich Feuchtigkeit besonders leicht niederschlagen.
Statt die Fenster stundenlang gekippt zu lassen, sollte man lieber mehrmals täglich kurz und kräftig durchlüften. Beim sogenannten Stoßlüften werden die Fenster für einige Minuten vollständig geöffnet. Noch schneller funktioniert der Luftaustausch, wenn gegenüberliegende Fenster gleichzeitig offenstehen. Wer tagsüber unterwegs ist, sollte zumindest morgens und abends gründlich lüften. Besonders wichtig ist das nach dem Duschen oder Kochen, wenn viel Wasserdampf entsteht.
Ein Hygrometer kann zusätzlich helfen: Das kleine Messgerät zeigt an, wie feucht die Raumluft tatsächlich ist. Steigt die relative Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 60 Prozent, sollte man gegensteuern.
Damit der erfrischende Luftaustausch nicht mit einer nassen Fensterbank endet, sollten bei starkem Regen möglichst Fenster auf der windabgewandten Seite geöffnet werden. So bleibt das Spritzwasser draußen. Auch die Heizung sollte während des Lüftens heruntergedreht werden, damit nicht unnötig Energie verloren geht. Danach kann der Raum wieder auf die gewünschte Temperatur gebracht werden.