Draußen flimmert die Hitze, drinnen steht die Luft. Reflexartig werden die Fenster aufgerissen – in der Hoffnung, endlich etwas Abkühlung in die Wohnung zu bekommen. Doch genau das kann an heißen Sommertagen zum Bumerang werden. Denn wer falsch lüftet, holt sich die Hitze erst recht ins Haus.
Was im Winter gut funktioniert, ist im Sommer oft kontraproduktiv. Bleiben Fenster den ganzen Tag gekippt oder weit geöffnet, strömt nicht nur warme, sondern auch feuchte Luft in die Wohnung. Das Ergebnis: Die Räume heizen sich auf, die Luft wird stickig und die Luftfeuchtigkeit steigt – ideale Bedingungen für Schimmel. Die wichtigste Faustregel lautet deshalb: Lüfte nur dann, wenn es draußen kühler ist als drinnen. Das ist meist früh morgens vor 8 Uhr und abends nach 21 Uhr der Fall.
Viele Energieexperten und die Verbraucherzentrale raten dazu, Fenster während der größten Hitze möglichst geschlossen zu halten. Ist die warme Luft erst einmal in der Wohnung, lässt sie sich nur schwer wieder hinausbefördern.
Zusätzlichen Schutz bieten geschlossene Rollläden, Jalousien oder Vorhänge. Sie verhindern, dass die Sonne Räume und Möbel unnötig aufheizt. Besonders Dachgeschosswohnungen profitieren davon, denn dort staut sich die Wärme besonders schnell.
Wer glaubt, ein dauerhaft gekipptes Fenster sorge für angenehme Frischluft, irrt. Im "Utopia.de"-Interview findet laut Energieberater Sepp Rinnhofer von der Energieagentur Tirol dabei kaum ein wirksamer Luftaustausch statt. Kurzes Stoßlüften bringt zwar frische Luft in den Raum, ist bei großer Sommerhitze aber oft nicht die effektivste Lösung.
Am wirkungsvollsten ist das sogenannte Querlüften. Dabei werden zwei gegenüberliegende Fenster gleichzeitig geöffnet. Der entstehende Durchzug tauscht die Raumluft innerhalb kurzer Zeit nahezu vollständig aus und sorgt für deutlich mehr Sauerstoff. Wer zusätzlich die Türen in der Wohnung öffnet, verstärkt den Luftstrom noch weiter. Vor allem morgens und spät abends ist diese Methode ideal, um möglichst viel kühle Luft ins Haus zu holen.
Ob Fenster tagsüber grundsätzlich geschlossen bleiben sollten, wird allerdings diskutiert. Wetterexperte Jörg Kachelmann hält wenig davon, Räume stundenlang komplett abzuriegeln. Gegenüber "Utopia.de" meint er, dass frische Luft wichtiger als maximale Abschottung gegen die Hitze sein. Auch er empfiehlt vor allem Querlüften.
Der beste Kompromiss: Während der Mittagshitze Fenster und Sonnenschutz geschlossen halten. Auf der Schattenseite kann ein geöffnetes Fenster dagegen durchaus angenehm sein – solange die Wohnung dadurch nicht zusätzlich aufgeheizt wird.
Kochen, Duschen, Atmen und Schwitzen setzen täglich bis zu drei Liter Wasser an die Raumluft frei. Gerade im Sommer kann dadurch die Luftfeuchtigkeit stark ansteigen. Liegt sie dauerhaft über 60 Prozent, steigt das Risiko für Schimmelbildung deutlich.
Nach dem Duschen oder Kochen sollte deshalb auch tagsüber kurz stoßgelüftet werden. Wer Wäsche in der Wohnung trocknet, erhöht die Luftfeuchtigkeit zusätzlich. Besser ist es, die Kleidung draußen trocknen zu lassen.
Wer vor dem Schlafengehen noch einmal kräftig lüftet, sollte möglichst auf künstliches Licht verzichten. Motten werden davon angezogen und fliegen schnell in die Wohnung. Mücken dagegen interessieren sich kaum für Lampen. Sie orientieren sich vor allem am ausgeatmeten Kohlendioxid und an Körpergerüchen. Hier hilft letztlich nur ein Fliegengitter.