Ein kurzer Moment im Garten, ein Abend am See oder ein Glas Wein auf dem Balkon – und schon hat eine Gelse zugestochen. Wenige Minuten später beginnt es zu jucken, die Haut schwillt an und der Griff zur Einstichstelle ist kaum zu vermeiden. Doch ausgerechnet Hitze soll den Juckreiz stoppen. Kann das wirklich funktionieren?
Nicht der Stich selbst ist das eigentliche Problem, sondern die Reaktion des Körpers. Beim Stechen gibt die Gelse Speichel in die Haut ab. Das Immunsystem erkennt die fremden Stoffe und schüttet Histamin aus. Die Folge sind Rötungen, Schwellungen und der typische Juckreiz.
So verlockend es auch ist: Kratzen verschafft meist nur für einen kurzen Moment Erleichterung. Tatsächlich wird die Haut dadurch zusätzlich gereizt, wodurch noch mehr Entzündungsstoffe freigesetzt werden. Gleichzeitig entstehen winzige Hautverletzungen, über die Bakterien – etwa von den Fingernägeln – eindringen können. Im schlimmsten Fall entzündet sich der Stich.
Immer beliebter werden sogenannte Stichheiler. Die kleinen Geräte erhitzen die Einstichstelle für wenige Sekunden auf etwa 47 bis 52 Grad Celsius. Auch zahlreiche Influencer schwören inzwischen auf die Methode.
Fachleute vermuten, dass die Hitze einen Gegenreiz setzt: Wärme- und Schmerzreize werden im Nervensystem ähnlich verarbeitet wie Juckreiz. Der kurze Hitzereiz könnte das unangenehme Kribbeln deshalb vorübergehend überlagern und abschwächen. Die häufig zu hörende Erklärung, die Hitze zerstöre einfach die Eiweiße im Gelsenspeichel, gilt dagegen als deutlich weniger gut belegt.
Ob Stichheiler tatsächlich wirken, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Die bisherige Studienlage ist überschaubar. Eine größere Untersuchung aus dem Jahr 2023 wertete mehr als 12.000 Anwendungen bei rund 1.750 Personen aus. Die Teilnehmer berichteten, dass ihr Juckreiz bereits nach einer Minute um 57 Prozent und nach zehn Minuten sogar um 81 Prozent zurückgegangen sei.
Allerdings gibt es Kritik an der Studie. Die Kontrollgruppe behandelte ihre Stiche erst später und könnte sich dadurch stärker auf den Juckreiz konzentriert haben. Außerdem wurde die Untersuchung vom Hersteller des Geräts finanziert, mehrere Autoren standen mit dem Unternehmen in Verbindung.
Auch eine kleinere Studie aus dem British Journal of Dermatology kam bereits 2019 zu einem ähnlichen Ergebnis. Bei 18 gesunden Freiwilligen konnten kurze Wärmereize histaminbedingten Juckreiz für einige Minuten deutlich lindern. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl lassen sich daraus jedoch keine allgemeinen Empfehlungen ableiten.
Wer keinen Stichheiler besitzt, muss deshalb nicht leiden. Auch Kälte kann den Juckreiz rasch lindern. Ein kalter Waschlappen oder ein in ein Tuch gewickeltes Kühlpad beruhigen die Haut und wirken abschwellend. Bei stärkeren Beschwerden können zudem Antihistaminika helfen – etwa als Gel oder Tablette. Sie blockieren die Wirkung von Histamin und lindern so Juckreiz und Schwellung.
Auf Experimente mit erhitzten Löffeln, Münzen oder anderen Metallgegenständen sollte dagegen unbedingt verzichtet werden. Anders als bei geprüften Stichheilern lässt sich die Temperatur dabei kaum kontrollieren. Die Folge können schmerzhafte Verbrennungen sein – und die halten oft deutlich länger an als der eigentliche Gelsenstich.
Ob Wärme oder Kälte: Entscheidend ist, die Haut nicht zusätzlich zu reizen und möglichst auf das Kratzen zu verzichten. So heilt der Stich meist schneller ab – und der Sommer bleibt trotz Gelsen etwas entspannter.