Erkältungs-Mythos im Check

Kaltes Duschen: Macht der Kälteschock wirklich gesund?

Weniger Erkältungen durch kaltes Duschen? Was zunächst vielversprechend klingt, hat einen überraschenden Haken.
30.10.2026, 10:14
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Draußen ist es kalt, die Erkältungszeit steht vor der Tür und du willst deinem Immunsystem etwas Gutes tun. Also drehst du morgens unter der Dusche beherzt den Wasserhahn auf kalt. Ein eisiger Schauer läuft dir über den Rücken, du schnappst nach Luft und fragst dich: Muss das wirklich sein? Kaltes Duschen gilt als Geheimwaffe für starke Abwehrkräfte, weniger Stress und mehr Energie – doch hält der unangenehme Frischekick tatsächlich, was er verspricht?

Was passiert beim Kälteschock im Körper?

Sobald eiskaltes Wasser auf die Haut trifft, schaltet der Körper in den Alarmmodus. Die Blutgefäße verengen sich, die Atmung beschleunigt sich und der Kreislauf reagiert auf den plötzlichen Temperaturwechsel. Ob dieser Reiz langfristig auch das Immunsystem stärkt, ist allerdings noch nicht eindeutig geklärt.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit untersuchte elf Studien mit insgesamt 3.177 Teilnehmern. Dabei zeigte sich, dass Kälteanwendungen kurzfristig bestimmte Entzündungsreaktionen im Körper auslösen können. Das klingt zunächst wenig gesund, muss aber nicht automatisch schlecht sein. Entscheidend ist, wie der Körper auf solche Reize reagiert und ob daraus langfristig Vorteile entstehen.

29 Prozent weniger Krankenstände?

Besonders interessant ist ein Ergebnis aus den untersuchten Studien: Menschen, die regelmäßig kalt duschten, meldeten 29 Prozent weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten. Doch bevor du das warme Wasser endgültig abdrehst, kommt der Haken: Die Teilnehmer waren dadurch nicht nachweislich seltener krank. Sie fehlten lediglich seltener bei der Arbeit.

Ob dahinter tatsächlich stärkere Abwehrkräfte stecken, lässt sich daraus nicht ableiten. Auch eine unmittelbar verbesserte Immunfunktion konnten die Forschenden nicht nachweisen.

Weniger Stress durch kaltes Wasser?

Immerhin könnte der Kältereiz noch andere Vorteile haben. Die Auswertung fand Hinweise darauf, dass sich das Stressempfinden rund zwölf Stunden nach einer Kälteanwendung verringern kann. Einzelne Studien berichteten außerdem von Verbesserungen bei Schlaf und Lebensqualität. Ein eindeutiger positiver Effekt auf die Stimmung zeigte sich dagegen nicht.

Allerdings betonen die Forschenden, dass die bisherige Studienlage begrenzt ist: Viele Untersuchungen waren klein oder unterschieden sich deutlich in Dauer und Art der Kälteanwendung.

Für wen kalte Duschen riskant sein können

So erfrischend der Kältekick auch sein mag: Für jeden ist er nicht geeignet. Vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen relevanten Vorerkrankungen sollten plötzliche Kältereize nicht ohne ärztliche Rücksprache ausprobieren. Der abrupte Temperaturwechsel kann Herz und Kreislauf stark belasten. Wer gesund ist und es versuchen möchte, sollte sich langsam an kühleres Wasser gewöhnen, statt sofort unter die eiskalte Dusche zu springen.

Was deinem Immunsystem wirklich hilft

Die gute Nachricht für alle Warmduscher: Du musst dich nicht täglich unter eiskaltes Wasser stellen, um gesund zu bleiben. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung sind für die Gesundheit deutlich besser belegt als kalte Duschen.

Und wenn bereits der Hals kratzt, ist ein kurzer Kälteschock ohnehin kein Wundermittel gegen eine beginnende Erkältung.

red, 30.10.2026, 10:14
Weitere Storys