Ob akkurat gestutzter Dreitagebart oder imposanter Vollbart: Gesichtsbehaarung ist längst mehr als eine Frage der Bequemlichkeit. In Barbershops wird getrimmt, geölt und frisiert, während zu Hause ganze Pflegeserien das perfekte Barthaar versprechen. Doch so gepflegt der Look auch sein mag, ein ziemlich unappetitlicher Verdacht hält sich hartnäckig: Sind Bärte eigentlich wahre Keimschleudern?
Für besonders viel Aufsehen sorgte 2015 ein Beitrag des US-Senders KOAT Action 7 News. Eine Reporterin ließ damals Bartabstriche einiger freiwilliger Männer untersuchen. Die Ergebnisse wurden anschließend zum Anlass für Schlagzeilen über angeblich erschreckend schmutzige Bärte.
Was dabei gerne unterging: Es handelte sich um eine winzige Stichprobe, nicht um eine aussagekräftige wissenschaftliche Studie. Aus einzelnen Bakterienfunden lässt sich schließlich noch lange kein allgemeines Gesundheitsrisiko ableiten. Denn Mikroorganismen gehören zu unserem Körper wie die Haare auf dem Kopf. Auch auf völlig glattrasierter Haut leben unzählige Bakterien und Pilze.
Der medizinische Mikrobiologe Andreas Podbielski von der Universität Rostock erklärt gegenüber "Öko-Test", dass diese Mikroorganismen Teil des natürlichen Hautmikrobioms sind. Viele davon erfüllen sogar eine wichtige Schutzfunktion. Ein Bart bietet durch seine Haare zwar zusätzliche Oberfläche. Außerdem ist es zwischen den Barthaaren häufig wärmer und feuchter als auf unbehaarter Haut. Dermatologe Christoph Liebich spricht deshalb von einem "Feuchtbiom".
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass dort gefährlichere Keime leben. Laut Podbielski dürfte sich die Zusammensetzung der Mikroorganismen auf bärtiger und bartloser Haut weitgehend ähneln. Die Forschungslage ist allerdings noch begrenzt.
Besonders interessant sind Untersuchungen aus Krankenhäusern. Schließlich spielt Hygiene dort eine entscheidende Rolle. Eine Studie aus dem Jahr 2014 untersuchte die Gesichtsflora von mehr als 400 männlichen Beschäftigten mit und ohne Bart. Das überraschende Ergebnis: Bei den Bartträgern fanden sich nicht grundsätzlich größere Bakterienmengen.
Auch eine weitere Untersuchung zu Operationen lieferte keine statistisch signifikanten Hinweise darauf, dass Patienten häufiger Infektionen entwickeln, wenn ihr Chirurg einen Bart trägt. Die Studien beweisen zwar nicht, dass jeder Bart hygienisch unbedenklich ist – sie liefern aber auch keinen überzeugenden Beleg für das verbreitete Bild vom schmutzigen Vollbart.
Ein Problem kann allerdings entstehen, wenn ständig am Bart gezupft, gedreht oder gekratzt wird. Denn unsere Hände berühren täglich Türklinken, Smartphones und unzählige andere Oberflächen. Wer sich anschließend durchs Gesicht fährt, kann Mikroorganismen auf die Haut und in den Bart übertragen. Dazu kommen Speisereste oder Getränketröpfchen, die sich besonders in längeren Barthaaren verfangen können. Deshalb gilt: Möglichst wenig ins Gesicht greifen und den Bart regelmäßig reinigen.
Für die tägliche Pflege reicht es laut Dermatologe Liebich meist, Gesicht und Bart gründlich mit Wasser zu waschen. Etwa alle zwei bis drei Tage empfiehlt er zusätzlich ein mildes Shampoo. Wer viel Bartöl verwendet oder im Alltag Staub und Schmutz ausgesetzt ist, muss möglicherweise häufiger reinigen. Wichtig sind schonende Produkte mit möglichst wenigen reizenden Duftstoffen.
Auch die Pflege sollte zum Hauttyp passen: Bei fettiger Haut eignen sich eher leichte, wasserbasierte Produkte, bei trockener Haut können reichhaltigere Cremes oder Öle sinnvoll sein.