Ein schrumpeliger Apfel wandert in den Mistkübel, das Brot von gestern bleibt liegen und hinten im Kühlschrank wartet noch ein Joghurt, das längst vergessen wurde. Für sich genommen wirkt das nach wenig. Rechnet man all diese Lebensmittel zusammen, nimmt die Verschwendung allerdings gewaltige Dimensionen an: Mehr als 3.000 Tonnen Essen gehen laut WWF jeden einzelnen Tag verloren oder werden weggeworfen.
Grundlage für die Berechnung sind Hochrechnungen der Boku und des Umweltbundesamts zu vermeidbaren Lebensmittelverlusten und -abfällen. Demnach kommen österreichweit jährlich mehr als 1,2 Millionen Tonnen zusammen. Der WWF hat diese Menge auf einzelne Tage heruntergerechnet und dabei eine Ladung von 24 Tonnen pro Lkw angenommen: Das ergibt rund 137 Lkw-Ladungen, gerundet also 140.
Die Verschwendung zieht sich durch die gesamte Lebensmittelkette – vom Feld über Verarbeitung und Handel bis zum Teller. Besonders viel davon entsteht allerdings dort, wo man es selbst in der Hand hätte: in privaten Haushalten.
Rund 685.000 Tonnen entfallen laut WWF jährlich auf Österreichs Haushalte und damit mehr als die Hälfte der genannten Gesamtmenge. Umgerechnet sind das knapp 1.900 Tonnen pro Tag. Weitere rund 570.000 Tonnen fallen zusammen in Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Außer-Haus-Verpflegung an.
Besonders häufig landen zu Hause Obst und Gemüse sowie Brot und Backwaren im Mist. Fleisch, Fisch und Wurst werden zwar mengenmäßig seltener entsorgt, können wegen ihres höheren Preises aber besonders ins Geld gehen.
Oft beginnt das Problem schon beim Einkauf: Es wird mehr mitgenommen, als tatsächlich gegessen werden kann. Andere Lebensmittel werden falsch gelagert oder schlicht im Kühlschrank vergessen, bis sie nicht mehr verwendet werden. Damit verschwindet jedoch nicht nur das Essen im Mistkübel. Auch all jene Ressourcen, die für Herstellung, Kühlung und Transport notwendig waren, wurden umsonst eingesetzt.
"Mit jedem weggeworfenen Lebensmittel verschwenden wir auch wertvollen Boden, Wasser, Energie und die Arbeit vieler Menschen", sagt WWF-Expertin Julia Haslinger.
Die Umweltschutzorganisation nimmt deshalb auch die Politik in die Pflicht. Gefordert werden verbindliche Reduktionsziele entlang der gesamten Versorgungskette, klare Zuständigkeiten und überprüfbare Zwischenziele. Lebensmittelabfälle müssten zudem transparenter erfasst und Fortschritte regelmäßig dokumentiert werden.
Verbessert werden sollen nach Ansicht des WWF auch die Bedingungen für Lebensmittelspenden. Klare Haftungsregeln, steuerliche Anreize und mehr finanzielle Unterstützung für Organisationen, die überschüssige Lebensmittel übernehmen und verteilen, könnten dabei helfen. Auch Schulen und Fachausbildungen sollten stärker vermitteln, wie Lebensmittelverschwendung vermieden werden kann.
Für den eigenen Alltag bleibt die Rechnung deutlich kleiner – aber nicht weniger konkret: Einkäufe besser planen, Vorräte im Blick behalten und Lebensmittel richtig lagern.