Die U-Bahn ist voll, die Luft stickig, die Gedanken kreisen. Plötzlich wird der Atem flacher, das Herz schlägt schneller – eine Panikattacke kündigt sich an. Für viele junge Menschen ist das keine Ausnahme mehr, sondern Alltag. Und genau für solche Momente greifen immer mehr zur sogenannten "Anxiety Bag" – einer kleinen Erste-Hilfe-Tascherl, die bei Panik beruhigen soll.
Immer mehr junge Menschen kämpfen mit Angststörungen. Gründe dafür gibt es viele – von den Folgen der Pandemie bis hin zu zunehmendem Druck und Unsicherheit im Alltag. Gleichzeitig sprechen heute mehr Menschen offen über ihre mentale Gesundheit und holen sich Hilfe. Doch die Herausforderung bleibt: Was tun, wenn die Angst genau dann zuschlägt, wenn man unterwegs ist?
Die Lösung, die gerade online für Aufmerksamkeit sorgt, ist denkbar einfach. In einer kleinen Kulturtasche werden Gegenstände gesammelt, die im Ernstfall beruhigen sollen. Ziel ist es, die Sinne zu aktivieren und den Fokus weg von den kreisenden Gedanken hin zum Hier und Jetzt zu lenken.
Was genau hineinkommt, ist individuell: Viele setzen auf Kühlpads oder kleine Ventilatoren, um körperliche Symptome wie Hitze zu lindern. Andere greifen zu Fidget Spinner, um die Hände zu beschäftigen. Auch Düfte oder Kaugummis kommen häufig zum Einsatz – ebenso wie Kopfhörer, um sich von einer lauten Umgebung abzuschirmen. Für US-Influencerin Malia dürfen saure Süßigkeiten nicht fehlen.
Der Ansatz dahinter ist kein Zufall. Experten sehen in der "Anxiety Bag" ein sinnvolles Werkzeug im Umgang mit Angst. Laut der Ärztin und Neurowissenschaftlerin Kyra Bobinet handelt es sich dabei um eine Form der gezielten Ablenkung und Beruhigung: "Es erzeugt andere Sinnesempfindungen, auf die man sich konzentrieren kann, sodass man sich nicht völlig von den rasenden Gedanken des ängstlichen oder depressiven Geistes überwältigt fühlt", erklärt sie gegenüber der "New York Post".
Auch aus psychiatrischer Sicht wird das Konzept positiv bewertet. Die Psychiaterin MaryEllen Eller erklärt, dass solche Gegenstände besonders dann wirksam sind, wenn sie zuvor mit ruhigen Momenten verknüpft wurden: "Je mehr dein Gehirn lernt, die Gegenstände in deiner 'Anxiety Bag' mit ruhigen Gedanken, Gefühlen der Sicherheit und Zuversicht zu verknüpfen, desto besser funktionieren sie, wenn du sie am dringendsten brauchst."
Wichtig ist dabei, dass die Inhalte zur eigenen Person passen. Was für den einen funktioniert, kann für den anderen wirkungslos sein. Denn nicht alle User können sich von der "Anxiety Bag" begeistern lassen: "10 Jahre in Therapie … nichts davon hilft", kommentiert eine Userin unter Jennas Clip. Andere Nutzer feiern wiederum die Panik-Sackerl.
Je öfter bestimmte Reize mit einem Gefühl von Sicherheit verknüpft werden, desto stärker kann ihre Wirkung im Ernstfall sein. Das Gehirn lernt, diese Gegenstände mit Ruhe und Kontrolle zu verbinden. So wird aus einer einfachen Tasche ein persönliches Werkzeug gegen die Angst.
Gleichzeitig lohnt es sich, die eigenen Auslöser besser zu verstehen: Wer weiß, in welchen Situationen die Angst besonders stark wird, kann sich gezielter darauf vorbereiten – und die "Anxiety Bag" entsprechend anpassen.