Der Blick nach unten, die Hände werden feucht, das Herz beginnt schneller zu schlagen. Was für manche ein atemberaubender Ausblick ist, fühlt sich für andere wie ein Kontrollverlust an. Höhenangst gehört zu den häufigsten Ängsten – und sie ist näher am Alltag, als viele denken. Jetzt gibt es in Wien ein neues Angebot, das genau hier ansetzt: direkt dort, wo die Angst entsteht.
Höhenangst ist in Österreich kein Randphänomen. Eine aktuelle Studie zeigt: 66 Prozent der Menschen fühlen sich in großen Höhen unwohl. Rund 22 Prozent geben an, sich stark unwohl zu fühlen, weitere 44 Prozent erleben zumindest ein mittleres Unbehagen. Insgesamt beschreibt etwa jede vierte Person (25 Prozent) sogar Panikgefühle in solchen Situationen. Besonders herausfordernd sind dabei Orte wie Glasplattformen, offene Aussichtsterrassen oder Arbeiten in der Höhe.
Typische körperliche Reaktionen reichen von dem Bedürfnis, sich festhalten zu müssen (47 Prozent), über Unsicherheit beim Gehen (42 Prozent) bis hin zu Herzklopfen (36 Prozent) oder weichen Knien (33 Prozent).
Der Donauturm Wien reagiert auf diese Zahlen – und erweitert sein Angebot um einen speziellen Höhenangst-Workshop. Geschäftsführer Roman Bauer erklärt, dass man täglich erlebe, wie viele Menschen in großer Höhe Unsicherheit verspüren. Die Ergebnisse der Studie hätten gezeigt, wie präsent das Thema tatsächlich ist. Daraus sei der Anspruch entstanden, ein Angebot zu schaffen, das gezielt Sicherheit vermittelt und Menschen dabei unterstützt, ihre Angst zu überwinden.
Gemeinsam mit dem Psychologischen Zentrum Phobius wurde ein Konzept entwickelt, das wissenschaftliche Grundlagen mit praktischer Erfahrung verbindet – und das direkt am höchsten Bauwerk Österreichs.
Der Workshop startet mit einer theoretischen Einführung am Fuß des Turms. Teilnehmende lernen, wie Höhenangst entsteht und welche körperlichen Reaktionen dahinterstecken. Ergänzt wird das durch konkrete Strategien zur Regulierung – etwa bewusste Atmung, Muskelentspannung oder mentale Techniken. Ziel ist es, die eigene Reaktion nicht als Bedrohung, sondern als nachvollziehbaren Prozess zu verstehen. Wer erkennt, was im Körper passiert, kann besser gegensteuern.
Im Anschluss folgt die praktische Phase – und damit die direkte Konfrontation mit der Höhe. In Zweier-Teams bewegen sich die Teilnehmenden durch verschiedene Bereiche des Donauturms, von geschützten Innenräumen bis hin zu offenen Terrassen in rund 150 bis 160 Metern Höhe. Die Übungen sind in mehrere Stufen aufgebaut und werden von Psychologen begleitet. So entsteht ein sicherer Rahmen, in dem sich die Angst kontrolliert erleben und schrittweise reduzieren lässt.
Wer möchte, kann den Workshop mit einer besonderen Herausforderung abschließen: einer Rutsche entlang der Außenseite des Turms.