Zwischen Scham & Peinlichkeit

Fruchtbarkeit – Ö-Studie deckt große Bildungslücke auf

Fehlendes Wissen und Tabus erschweren den offenen Umgang mit Kinderwunsch. Wieso es zu einem immer größeren Problem wird.
Heute Life
13.11.2025, 17:46
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Anlässlich der European Fertility Week 2025, zeigt eine neue Studie der Patientenorganisation "Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich" in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut TQS Research & Consulting ein deutliches Bild: Die Mehrheit der Befragten weiß nicht nur zu wenig über (Un-)Fruchtbarkeit oder medizinische Möglichkeiten, sondern wird mit den dazukommenden Problemen auch oft alleine gelassen.

Aufklärung fehlt

83 Prozent der Befragten fühlen sich über Fruchtbarkeit und Kinderwunschbehandlungen nicht ausreichend informiert. Vielen fehlt der Zugang zu verständlichen, unabhängigen Informationen: Fast 90 Prozent wünschen sich daher spezialisierte Beratungsstellen, die neutral aufklären und Orientierung bieten.

Auch Schulen sollen stärker in die Pflicht genommen werden: Über 70 Prozent sprechen sich für Aufklärung im Unterricht aus. Zudem fordern 77 Prozent, dass Unfruchtbarkeit, wie von der WHO definiert, als Krankheit anerkannt wird.

"Wer nichts über Fruchtbarkeit weiß, kann auch keine Entscheidungen treffen. Ohne Wissen gibt es keine Wahl und ohne Bildung keine Chance, rechtzeitig Unterstützung zu bekommen", betont Christina Fadler, Obfrau des Vereins. Bildung über Fruchtbarkeit sei keine Privatsache, sondern eine gesundheitspolitische Aufgabe: "Sie entscheidet darüber, ob Unfruchtbarkeit endlich als das verstanden wird, was sie ist – eine Krankheit", so Fadler.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass fehlende Aufklärung längst kein individuelles Problem mehr ist: 74 Prozent der Befragten wünschen sich, dass Fruchtbarkeit fixer Bestandteil schulischer Bildung und öffentlicher Aufklärungskampagnen wird. 84 Prozent sprechen sich für staatliche Unterstützung und bessere Rahmenbedingungen bei Kinderwunschbehandlungen aus.

"Private Last"

Trotz der breiten Zustimmung zu mehr Aufklärung bleibt das Thema Unfruchtbarkeit in Österreich stark tabuisiert: 62 Prozent empfinden es als gesellschaftliches Tabu, 51 Prozent nennen Scham oder Peinlichkeit als Hauptgrund, nicht darüber sprechen zu können. Dieses Schweigen hat Folgen, nämlich emotional wie gesellschaftlich.

Mehr als die Hälfte (63 Prozent) der Befragten empfinden einen unerfüllten Kinderwunsch als emotional vergleichbar mit anderen großen Verlusten, wie etwa dem Tod eines Lebenspartners. Zwei Drittel berichten von starker psychischer Belastung, 72 Prozent von Phasen tiefer Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Gleichzeitig fühlen sich 77 Prozent von ihrem Umfeld sogar nicht ernst genommen.

"Viele erleben ihren unerfüllten Kinderwunsch als private Last, nicht als gesundheitliche Herausforderung, für die es gesellschaftliche Strukturen und politische Verantwortung braucht", so Fadler. Erst wenn Bildung, Aufklärung und öffentliche Diskussion selbstverständlich würden, könne das Schweigen gebrochen werden.

{title && {title} } red, {title && {title} } 13.11.2025, 17:46
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen