Immer mehr Lehrer berichten über disziplinäre Probleme von Schülern. Die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ durch Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) belegt jetzt schwarz auf weiß, wie sich das Problem in den vergangenen Jahren verschärft hat.
Im Schuljahr 2023/24 wurden exakt 2.013 Suspendierungen gegen Schülerinnen oder Schüler ausgesprochen, diese also temporär vom Unterricht ausgeschlossen. Wiederkehr betont in seiner Beantwortung allerdings, dass diese Daten nicht "personenbereinigt" sind. Heißt im Klartext: Wird ein Schüler mehrfach suspendiert, wird er auch mehrmals gezählt.
Die Entwicklung geht in eine Besorgnis erregende Richtung. Denn im Schuljahr 2020/21 waren es erst 659 Suspendierungen, im folgenden Jahr schon 1.334 und 2022/23 dann 1.911.
Die meisten dieser Suspendierungen gab es mit 756 in Wien – mehr als jeder dritte temporäre Schulverweis erfolgte also in der Bundeshauptstadt. Auf den Plätzen folgen Oberösterreich mit 587 Fällen und Niederösterreich mit 129. Ebenfalls im dreistelligen Bereich liegen Salzburg und Tirol. Die wenigsten Suspendierungen erfolgten im Burgenland mit 33.
Bekannt sind auch die Zahlen nach den einzelnen Schultypen. Die mit Abstand meisten Fälle gab es an Mittelschulen mit 1.147. Danach finden sich im Ranking Volksschulen (353) und Sonderschulen (318). Gerade einmal sieben Mal setzte es in Berufsschulen eine Suspendierung.
Die FPÖ fragte den Minister auch nach den Hauptgründen für die Unterrichts-Ausschlüsse. Diese Antwort musste Wiederkehr allerdings schuldig bleiben. Denn diese Daten würden "nicht systematisch erhoben", lässt er wissen. Das gleiche gilt auch für den Status der Schüler, also ordentlich oder außerordentlich.
Ausgesprochen würden Suspendierungen jedenfalls bei Gefahr im Verzug. Darunter fällt die "Verletzung der Schülerpflichten in schwerwiegender Weise". Ebenfalls ein Ausschluss droht Schülern, deren Verhalten eine dauernde Gefährdung von Mitschülern oder anderen Personen an der Schule darstellt, hält Wiederkehr fest. Und zwar gelte das hinsichtlich ihrer Sittlichkeit, körperlichen Sicherheit oder ihres Eigentums.
In der Beantwortung listet der Minister auch zahlreiche Maßnahmen auf, mit denen disziplinären Problemen vorgebeugt werden soll. So würde etwa die Kooperation mit der Polizei verstärkt und eine "Kultur des Hinschauens" gefördert, um die Regeln des schulischen Zusammenlebens mit Nachdruck zu unterstreichen.
Zudem seien derzeit verschiedene Modelle für "Timeout-Klassen" in Umsetzung. Bei diesen werden Schüler "mit massivem Störverhalten" zeitweise aus dem regulären Unterricht genommen und in speziell betreuten Lerngruppen unterrichtet. Durch gezielte Förderung und sozialpädagogische Unterstützung soll ihnen so eine erfolgreiche Rückkehr in die Regelklasse ermöglicht werden.
Aktuell arbeite man an der flächendeckenden Einrichtung solcher "Timeout-Formate". Diese seien auch im Regierungsprogramm verankert. Details dazu nannte der Neos-Politiker nicht. "Einem entsprechenden Begutachtungsverfahren kann nicht vorgegriffen werden."