Der Wecker bleibt aus, das Handy verschwindet in der Tasche und statt fünf Sehenswürdigkeiten bis Mittag steht nur ein Spaziergang zum Markt auf dem Programm. Danach wird gekocht, lange gegessen und noch länger geredet. Klingt nach Urlaub bei Oma? Das ist der Plan.
"Nonnamaxxing" heißt einer der ungewöhnlicheren Reisetrends des Jahres 2026. Vor allem jüngere Reisende orientieren sich dabei am idealisierten Lebensstil italienischer Großmütter – und tauschen Sightseeing-Marathon gegen Pasta, Gemütlichkeit und echte Begegnungen.
Der Name erklärt das Prinzip bereits: "Nonna" bedeutet auf Italienisch Großmutter, während das Internet-Suffix "-maxxing" dafür steht, eine bestimmte Eigenschaft oder Lebensweise möglichst konsequent auszuleben. Beim "Nonnamaxxing" wird also gewissermaßen der Oma-Lifestyle maximiert: selbst kochen, zum Markt spazieren, Handarbeiten ausprobieren, Zeit mit Familie und Freunden verbringen und das Smartphone öfter links liegen lassen. Im Urlaub bedeutet das vor allem eines: weniger abhaken, mehr erleben.
Statt morgens von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu hetzen und den perfekten Schnappschuss für Instagram zu suchen, soll das Leben vor Ort im Mittelpunkt stehen.
Reisende nehmen beispielsweise an Pasta-Kursen mit italienischen Nonnas teil, lernen traditionelles Handwerk oder erkunden einen Ort gemeinsam mit älteren Einheimischen. Es geht weniger darum, möglichst viel gesehen zu haben, sondern darum, Menschen, Traditionen und Alltag kennenzulernen.
Und offenbar trifft die Idee einen Nerv. Für einen Trendbericht von GetYourGuide wurden im Februar 2026 mehr als 8.000 Reisende aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA befragt. 76 Prozent zeigten demnach Interesse an einer von älteren Menschen inspirierten Urlaubsaktivität. 69 Prozent würden lieber von älteren lokalen Guides lernen als von jüngeren. Buchungen von Workshops und Kursenauf der Plattform stiegen zudem zwischen 2023 und 2025 um mehr als 250 Prozent.
Dass ausgerechnet junge Menschen Gefallen am vermeintlichen Oma-Leben finden, dürfte kein Zufall sein: Zwischen Push-Nachrichten, Social Media und ständigem Optimierungsdruck wird ausgerechnet Langsamkeit zum Luxus.
"Nonnamaxxing" setzt diesem Tempo einen denkbar einfachen Gegenentwurf entgegen: lange Mahlzeiten statt Fast Food, Spaziergänge statt Terminstress und Gespräche statt Bildschirmzeit. Es geht nicht darum, im Urlaub möglichst produktiv zu sein, sondern darum, Zeit wieder als etwas zu erleben, das nicht ständig gefüllt werden muss.
Ganz unkritisch sollte man den Trend allerdings nicht betrachten. Das Bild der italienischen Großmutter, die entspannt Pasta macht, durch den Garten schlendert und stundenlang mit der Familie tafelt, ist stark romantisiert.
Traditionelle Familien- und Haushaltsarbeit kann schließlich alles andere als entspannend sein. Der Trend macht aus der "Nonna" deshalb eher eine Symbolfigur für Entschleunigung und Nähe, als dass er den tatsächlichen Alltag älterer Italienerinnen realistisch abbildet.