Die Rechnung kommt an den Tisch – und plötzlich beginnt das große Rechnen. Wer hatte die zwei Spritzer? Wem gehört der Espresso? Und wer bezahlt eigentlich die Nachspeise? Was für Gäste völlig selbstverständlich klingt, kann für Kellner vor allem bei größeren Gruppen schnell zur Geduldsprobe werden.
Für Diskussionen sorgte erst neulich ein Gastronom aus Stuttgart: In seinem Lokal soll getrenntes Bezahlen nur noch möglich sein, wenn die Gäste ihren Wunsch bereits vor der Bestellung bekannt geben. Doch wie groß ist das Problem tatsächlich? "Heute" hat bei Wiener Gastronomen nachgefragt – und dabei durchaus unterschiedliche Antworten bekommen.
Beim Schwaigerwirt sieht man die Sache gelassen: "Bei uns zahlen Gäste auch getrennt, es stellt kein Problem dar", sagt Markus Oberbucher gegenüber "Heute". Selbst wenn acht Personen gemeinsam an einem Tisch sitzen und am Ende jeder für sich bezahlen möchte, sei das problemlos möglich. Ganz ohne zusätzlichen Zeitaufwand funktioniert das allerdings auch dort nicht. Bei wirklich großen Runden könne sich das Kassieren durchaus ziehen: "Tatsächlich kann es schon zehn bis 15 Minuten länger dauern bei einer großen Gruppe ab 20 Personen", erklärt Oberbucher.
Für seinen Betrieb sei das dennoch gut zu bewältigen. Der Grund: Es stehen mehrere Kellner zur Verfügung, die gleichzeitig kassieren können. Eine Einschränkung wie in Stuttgart kommt für ihn daher nicht infrage. "Bei uns darf jeder bezahlen, wie er möchte."
Etwas anders erlebt man die Situation bei Verde. Dort gehört getrenntes Bezahlen zwar ebenfalls zum Service, im laufenden Betrieb macht sich der Mehraufwand allerdings bemerkbar: "Getrenntes Bezahlen verursacht bei uns tatsächlich Probleme im Ablauf. Der Aufwand ist also nicht zu unterschätzen", heißt es gegenüber "Heute".
Auch eine Gruppe von acht Personen darf ihre Rechnung einzeln begleichen. Für das Personal bedeutet das jedoch zusätzliche Arbeit. Statt eine Rechnung abzuschließen, müssen die einzelnen Konsumationen zugeordnet und mehrere Bezahlvorgänge durchgeführt werden. Bei acht Gästen könne das bereits mehrere zusätzliche Minuten beanspruchen. Vor allem dann, wenn im Lokal viel los ist, kann sich das bemerkbar machen. Das Verde-Team bestätigt, dass getrennte Zahlungen den Ablauf schon spürbar verzögert haben.
Verbieten oder ab einer gewissen Gruppengröße einschränken möchte man das getrennte Zahlen deshalb aber nicht. "Uns ist wichtig, unseren Gästen diesen Service weiterhin anzubieten, auch wenn er mit zusätzlichem Aufwand verbunden ist", erklärt das Verde.
Doch können Gastronomen überhaupt verlangen, dass Gäste ihren Wunsch nach getrennten Rechnungen schon vor der Bestellung bekannt geben? Ganz pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten: "Es kommt darauf an, mit wem der Vertrag zustande gekommen ist, sprich wer bestellt hat und damit ein Vertragsverhältnis mit dem Wirt eingegangen ist", heißt es aus der Wirtschaftskammer Wien gegenüber "Heute".
Grundsätzlich könne ein Wirt allerdings kommunizieren, dass getrenntes Bezahlen nur dann gewünscht beziehungsweise angeboten wird, wenn die Gäste dies vorher entsprechend bekannt geben.
Der Fall aus Stuttgart dürfte damit auch in Wien Gesprächsstoff liefern. Denn während einzelne Rechnungen für Gäste bequem sind, können sie hinter der Schank schnell zusätzliche Minuten kosten.