Immer mehr Menschen erkennen sich in einem Begriff wieder, der vor allem auf Social Media an Bedeutung gewinnt, nämlich im "People Pleasing": Dahinter steckt das ständige Bedürfnis, anderen zu gefallen, Konflikte zu vermeiden und die eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen. Wieso das vor allem in der Arbeit zum Verhängnis werden kann.
Hinter dem "People Pleasing" steckt meist der Bambi-Reflex, auch "Fawning" genannt, dahinter. Dieser kann eine tief verankerte Trauma-Reaktion sein, die beeinflusst, wie wir arbeiten, wie wir Beziehungen führen und wie wir uns selbst sehen.
Im Berufsalltag zeigt sich "Fawning" oft subtil: Man stimmt einer Aufgabe zu, obwohl man völlig überlastet ist oder nickt freundlich, obwohl man eigentlich widersprechen möchte. Man sagt "Ja", obwohl jede Faser des Körpers "Nein" schreit. Und das nicht, weil man sich unsicher ist, sondern weil das Nervensystem auf Frieden um jeden Preis programmiert ist.
Diese Reflexreaktion entsteht häufig in der Kindheit, wenn Anpassung der einzige Weg war, Konflikte zu vermeiden oder emotionalen Rückzug zu verhindern. Im Erwachsenenalter wird daraus ein Muster, das wie im Autopilot läuft: Man will bloß nicht anecken.
Der Bambi-Reflex wird im Job oft übersehen – denn Menschen, die "fawnen", gelten als angenehm, hilfsbereit, loyal. Doch hinter der Fassade lauern Risiken: Deine Leistung wird möglicherweise nicht an deiner Kompetenz gemessen, sondern daran, wie gut du gefällst. Du begünstigst unbewusst ungesunde Machtverhältnisse, weil du Raum gibst, über deine Grenzen zu gehen. Das kann zu Mobbing, Grenzüberschreitungen und letztlich zu einem massiven Burnout führen.
Der erste Schritt ist Selbstreflexion: Frage dich bewusst, warum du Ja sagst – und was eigentlich passiert, wenn du einmal Nein sagst. Meist ist die gefürchtete Konsequenz viel kleiner als die Angst davor. Der zweite Schritt: Grenzen setzen. Ein Nein darf klar sein, ohne Rechtfertigungsspiralen. Grenzen schützen dich – sie greifen niemanden an.
Viele Betroffene profitieren außerdem von traumainformierter Unterstützung, etwa in Form einer Therapie, um den Reflex zu verstehen und neue Verhaltensstrategien zu entwickeln. Gleichzeitig hilft Selbstfürsorge, wieder Zugang zu den eigenen Bedürfnissen zu finden: Pausen, Prioritäten und bewusste Erholung sind kein Luxus, sondern notwendig.
Wenn das "People Pleasing" dauerhaft zu Überforderung oder seelischer Belastung führt, ist professionelle Unterstützung hier sinnvoll.