Experte klärt auf

Rotlichtfolie fürs Handy – schützt sie deine Augen?

Der neueste Longevity-Trend verspricht weniger Augenstress beim Scrollen. Ein Augenoptiker sieht das deutlich nüchterner.
Artiola  Zhabota
28.03.2026, 21:24
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Abends im Bett noch schnell durch TikTok scrollen, Nachrichten checken oder eine Serie am Handy schauen – für viele gehört das längst zum Alltag. Doch genau hier setzt ein neuer Trend an: sogenannte Rotlichtschutzfolien fürs Smartphone. Sie sollen das Display "augenfreundlicher" machen, den Schlaf verbessern und sogar langfristig die Augengesundheit fördern. Klingt verlockend, aber halten diese Versprechen wirklich, was sie versprechen?

Augenoptikermeister David Vogelhuber ordnet für "Heute" den Hype ein – und erklärt, was wirklich dahintersteckt.

Was steckt hinter dem Trend?

Die Idee hinter den Rotlichtschutzfolien ist schnell erklärt: "Im Grunde geht es dabei um ein ähnliches Prinzip wie bei Blaulichtfilterbrillen", sagt Vogelhuber. Die Folien reduzieren den Blauanteil des Bildschirmlichts und lassen das Display wärmer erscheinen.

Der Hintergrund: Blaues Licht steht im Verdacht, die Augen zu belasten und den Schlaf zu stören. Deshalb setzen immer mehr Menschen auf technische Lösungen – vom Nachtmodus bis hin zu speziellen Folien.

Wie stark belastet Bildschirmlicht wirklich?

Tatsächlich können lange Bildschirmzeiten Symptome auslösen – allerdings aus einem anderen Grund, als viele denken: "Typische Beschwerden von zu viel Bildschirmarbeit sind trockene Augen, verschwommenes Sehen und Kopfschmerzen", erklärt Vogelhuber.

Der Hauptgrund liegt nicht im Licht selbst, sondern in unserem Verhalten: Wir blinzeln weniger, wenn wir konzentriert auf den Bildschirm schauen. Dadurch trocknet der Tränenfilm schneller aus. Dieses Phänomen wird auch als "Office-Eye-Syndrom" bezeichnet.

Und was ist mit dem Schlaf?

Beim Thema Schlaf spielt Licht tatsächlich eine Rolle: "Es gibt Hinweise darauf, dass helles Licht am Abend, besonders mit hohem Blauanteil, die Produktion des Schlafhormons Melatonin beeinflussen kann", so der Experte.

David Vogelhuber ist Augenoptikermeister und leitet mit seiner Frau Bettina das Familienunternehmen in 2. Generation weiter.
sarahrechbauer

Allerdings kommt es nicht nur auf die Farbe des Lichts an, sondern auch auf Helligkeit und Nutzungsdauer: Wer also lange und hell aufs Display schaut, kann seinen Schlaf tatsächlich beeinflussen – unabhängig davon, ob eine Folie verwendet wird.

Wie sinnvoll sind Rotlichtschutzfolien wirklich?

Die große Frage: Bringen die Folien langfristig etwas für die Augen? Hier fällt die Antwort nüchtern aus: "Für eine langfristige Verbesserung der Augen durch so eine solche Folie kenne ich keine wissenschaftlichen Belege."

Was allerdings stimmt: Viele empfinden wärmere Bildschirmfarben als angenehmer. "In diesem Sinn kann es also durchaus den visuellen Komfort erhöhen."

Was wirklich hilft

Wer seine Augen entlasten will, sollte an anderer Stelle ansetzen. "Das Auge ist ein Muskel, der Bewegung und Erholung braucht wie jeder andere auch", erklärt Vogelhuber. Regelmäßige Pausen sind entscheidend. Immer wieder bewusst in die Ferne schauen, kurze Unterbrechungen einlegen und möglichst viel Zeit im Tageslicht verbringen – all das hilft den Augen mehr als jede Folie.

Auch spezielle Bildschirmbrillen können sinnvoll sein, vor allem bei längerer Arbeit am Computer: Diese sind auf typische Sehentfernungen abgestimmt und sorgen für entspannteres Sehen.

Neben Entlastung ist auch Schutz wichtig: Gerade im Freien sollten die Augen vor UV-Strahlung geschützt werden. Eine Sonnenbrille mit UV-400-Filter kann hier langfristig mehr bewirken als digitale Filter am Bildschirm.

{title && {title} } AZ, {title && {title} } 28.03.2026, 21:24
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