Sie erforschen seltene Krebserkrankungen, beobachten das Sozialverhalten von Pferden oder nutzen künstliche Intelligenz, um die Artenvielfalt besser zu schützen. Vier Wissenschaftlerinnen, vier völlig unterschiedliche Forschungsgebiete – und ein gemeinsames Ziel: mit ihrer Arbeit etwas zu verändern. Am Dienstagabend bekamen sie dafür in Wien eine ganz besondere Bühne.
Die Ehrung wurde von L’Oréal gemeinsam mit der Österreichischen UNESCO-Kommission, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung vergeben. Jede der vier Preisträgerinnen erhielt 25.000 Euro für ihre weitere wissenschaftliche Arbeit.
Wie unterschiedlich Spitzenforschung aussehen kann, zeigen bereits die Projekte der ausgezeichneten Frauen. Dr. Noreen Mukhwana Mutoro von der Universität Salzburg entwickelt einen digitalen Haaratlas für ostafrikanische Säugetiere. Dabei verbindet sie Museumsforschung mit Geoinformatik und KI. Anhand von Haaren sollen Tierarten präziser bestimmt werden können – ein Werkzeug, das künftig auch den Artenschutz in der Region unterstützen soll.
Marina Schapfl, PhD, von der Medizinischen Universität Innsbruck beschäftigt sich dagegen mit dem Lipidstoffwechsel von Immunzellen. Sie untersucht, wie diese sich gegen oxidativen Stress und eine bestimmte Form des Zelltods, die sogenannte Ferroptose, schützen. Im Fokus stehen dabei auch B-Zell-Lymphome. Langfristig könnte das Wissen neue Ansatzpunkte für Krebstherapien liefern.
An der Veterinärmedizinischen Universität Wien erforscht Dr. Laura Manuela Torres Borda, ob sich gesundheitliche Probleme bei Pferden bereits durch Veränderungen ihres Sozialverhaltens erkennen lassen. Dafür kombiniert die Wissenschaftlerin moderne Ortungstechnologien mit Verhaltens- und Gesundheitsdaten. Das Ziel: Auffälligkeiten möglichst früh und auf nicht-invasive Weise erkennen zu können.
Die vierte Auszeichnung geht nach Linz: Dr. Yi-Chien Tsai von der Johannes Kepler Universität arbeitet an einem minimalinvasiven Verfahren zur Erkennung des seltenen kutanen T-Zell-Lymphoms. Mithilfe von Genanalysen, Blutwerten und künstlicher Intelligenz soll die Krebserkrankung besser von gutartigen Hautentzündungen unterschieden werden können. Dadurch könnte sich die Zeit bis zur richtigen Diagnose und zum Behandlungsbeginn verkürzen.
Das internationale Programm steht unter dem Leitspruch "Die Welt braucht Wissenschaft – und die Wissenschaft braucht Frauen". Die L’Oréal Fondation und die UNESCO setzen sich damit bereits seit 1998 für Wissenschaftlerinnen ein, seit 2007 gibt es das Programm auch in Österreich. Weltweit wurden nach Angaben der Initiative bislang rund 4.700 Wissenschaftlerinnen gefördert. Unter ihnen befinden sich auch sieben Frauen, die später einen Nobelpreis erhielten. In Österreich wurden bisher mehr als 70 Nachwuchswissenschaftlerinnen ausgezeichnet.