Anfrage der Grünen deckt auf

Kasse spart 57 Millionen auf Kosten der Patienten

Die Gesundheitskasse leidet unter kranken Finanzen. Die Konsequenz: Leistungskürzungen. Damit sollen bis 2027 57,6 Millionen eingespart werden.
Heute Politik
05.05.2026, 12:48
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Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) erwartet für heuer ein sattes Defizit von 431 Millionen Euro. Daher wurde im Februar ein Sparpaket geschnürt.

Mehrkosten für Patienten

Dieses umfasst mehrere Punkte, darunter etwa höhere Selbstbehalte bei Zahnersatz, die Streichung des Familienzuschlags zum Krankengeld und Verschärfungen bei den Krankentransporten.

Gesundheitsministerin Schumann gab grünes Licht für Leistungskürzungen

Genehmigt wurden diese Maßnahmen von Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ). Die sah sich daraufhin mit einer parlamentarischen Anfrage der Grünen konfrontiert.

Anfrage der Grünen im Parlament

Jetzt liegen ihre Antworten auf die ausführlichen Fragen des grünen Gesundheitssprechers Ralph Schallmeiner vor. Und die lassen für die Patienten und Betroffenen nichts Gutes erahnen.

Schon heuer mehr als 20 Millionen Einsparungen zu Lasten der Patienten

So beziffert Schumann das Gesamtvolumen der erwarteten Einsparungen durch alle Verschlechterungen für die Patienten auf 23,25 Millionen Euro für heuer und ab 2027 dann mit 34,364 Millionen Euro. Macht zusammengerechnet in nur zwei Jahren eine Summe von 57,614 Millionen Euro.

Zahnersatz wird teurer

So soll die Erhöhung des Selbstbehaltes für unentbehrlichen Zahnersatz von 25 auf 30 Prozent heuer 5,82 Millionen Euro in die klamme Kassen-Kasse spülen. Nächstes Jahr sind es dann sogar prognostizierte 8,74 Millionen.

Änderung auch beim Krankengeld

Durch die Streichung des Familienzuschlags zum Krankengeld erwartet sich die ÖGK 400.000 bzw. 470.000 Euro. Eine geringfügige Änderung der Berechnung des Krankengeldes ist mit Einsparungen von 1,2 Millionen im heurigen Jahr und 1,4 Millionen im kommenden Jahr budgetiert.

Krankentransporte als Kostenfaktor

Einen großen finanziellen Brocken machen die Krankentransporte aus. Die Kosten dafür werden nur mehr übernommen, wenn die Gehunfähigkeit des Patienten vorab ärztlich bestätigt wurde. Durch diese Maßnahme erhofft sich die Gesundheitskasse 9,7 Millionen Euro heuer und sogar 14,6 Millionen im nächsten Jahr.

Sogar Überstellung in anderes Spital müssen Patienten selbst zahlen

Ebenfalls nicht mehr übernommen werden Krankentransportkosten bei "aus medizinischen Gründen notwendiger Überstellung zur stationären Behandlung von einer Krankenanstalt in die nächstgelegene geeignete Krankenanstalt". Erwartetes Einsparungspotenzial: sechs Millionen heuer und ab 2027 pro Jahr neun Millionen.

Der grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner deckte mit seiner Anfrage die Millionen-Einsparung auf Kosten der Patienten auf.
Helmut Graf

Keine Angaben zu Zahl der Betroffenen

Schallmeiner wollte aber auch wissen, wie viele Personen jeweils von den einzelnen Maßnahmen betroffen sind. Diese Zahlen blieb Schumann schuldig. Sie seien "für die rechtliche Beurteilung nicht relevant" und würden dem Ressort daher "zum Großteil nicht vorliegen".

Schumann verteidigt Kürzungen

Die SPÖ-Gesundheitsministerin steht jedenfalls hinter diesen Leistungskürzungen: "Die in der Anfrage angesprochenen Änderungen beziehen sich auf Einsparungsmaßnahmen, die im Rahmen der anzuwendenden Maßstäbe und angesichts der finanziellen Lage des Versicherungsträgers nicht zu beanstanden waren", hält sie in der Anfragebeantwortung fest.

Grüne sprechen von "sozialem Kahlschlag"

Schallmeiner kann das nicht nachvollziehen: "57,6 Millionen Euro werden von der ÖGK nicht im System eingespart, sondern direkt bei Patientinnen und Patienten, Familien und Menschen gekürzt, die ohnehin schon unter Druck stehen", sagt er zu "Heute". Wer Zahnersatz verteuere, Krankentransporte streiche und selbst bei Kranken noch den Rotstift ansetze, betreibe keine Gesundheitsreform, sondern "sozialen Kahlschlag auf dem Rücken der Versicherten".

Abfederung der Maßnahmen auf die lange Bank geschoben

"Besonders ärgerlich" sei aus Sicht der Grünen, dass ihr Vorschlag, Mittel aus dem Gesundheitsreformfonds zur Abfederung der größten sozialen Härten zu nutzen, in der jüngsten Sitzung des Gesundheitsausschusses vertagt wurde statt wenigstens die massivsten Belastungen für Betroffene abzufangen.

„Das ist knallharte Kürzungspolitik auf dem Rücken der Versicherten.“
Ralph SchallmeinerGesundheitssprecher der Grünen im Nationalrat

Schallmeiners ernüchternde Bilanz: "Die zuständige Ministerin nickt offenkundig Kürzungen ab, ohne zu wissen oder wissen zu wollen, wie viele Menschen konkret betroffen sind. Das ist keine solidarische Gesundheitspolitik, sondern knallharte Kürzungspolitik auf dem Rücken der Versicherten."

{title && {title} } pol, {title && {title} } Akt. 05.05.2026, 14:04, 05.05.2026, 12:48
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