In vielen Küchen gehört es zum Alltag wie der Kochlöffel oder das Schneidebrett: das Geschrirtuch. Schnell wird damit über die Arbeitsfläche gewischt, ein Tropfen Sauce aufgesaugt oder das Spülbecken sauber gemacht. Doch genau das kann den Fetzen zur echten Bakterienquelle machen: Während manche Oberflächen regelmäßig gründlich gereinigt werden, bleibt das Tuch oft tagelang im Einsatz.
Eine deutsche Biologin rät in einem TikTok-Video, den Fetzen täglich zu wechseln. Ihr Argument: "Die Lappen sind feucht und warm und dank Lebensmittelresten voller Nährstoffe. Dadurch bieten sie eine perfekte Umgebung für Bakterien, deren Anzahl sich etwa alle 30 Minuten verdoppeln kann."
Dabei sind ausgerechnet Dinge in der Küche oft stärker belastet als Orte, die viele für besonders unhygienisch halten. Ein Klodeckel wird meist regelmäßig geputzt, während der Lappen immer wieder benutzt wird – oft für mehrere Aufgaben gleichzeitig.
Wie viele Bakterien sich tatsächlich im Küchenlappen ansammeln können, zeigt eine Studie der University of Mauritius. Forschende untersuchten gebrauchte Küchentücher aus verschiedenen Haushalten. Das Ergebnis: Auf rund der Hälfte der Lappen wuchsen Bakterienkolonien. In etwa einem Drittel der Proben fanden sich sogar Keime wie E. coli oder Staphylococcus aureus.
Was sind E. coli und S. aureus?
E. coli ist ein Darmbakterium, das bei Menschen und Tieren vorkommt. Einige Varianten können Krankheiten auslösen, etwa Magen-Darm-Infektionen, Harnwegsinfektionen oder Blasenentzündungen.
Staphylococcus aureus lebt bei vielen Menschen auf der Haut oder in der Nase – oft ohne Symptome. Das Bakterium kann jedoch Hautinfektionen, Lungenentzündungen oder andere Erkrankungen verursachen und ist teilweise gegen Antibiotika resistent.
Für die Untersuchung erhielten Probanden neue Küchentücher, die sie einen Monat lang im Alltag verwendeten. Wie oft sie gewaschen wurden und wofür sie das Tuch verwendeten, blieb ihnen selbst überlassen.
Nach vier Wochen wurden die Lappen im Labor untersucht. Das Resultat: Besonders viel Bakterien fanden die Forschenden in Haushalten mit Kindern oder mehreren Personen. Auch wenn die Tücher nach dem Putzen feucht zusammengeknüllt oder gefaltet wurden, wuchsen dort mehr Keime.
Wurden die Lappen für verschiedene Zwecke genutzt, wie zum Abwischen von Händen, Geschirr und Oberflächen, stieg die Bakterienzahl zusätzlich. Haushalte, in denen Fleisch gekocht wurde, hatten ebenfalls mehr Keime im Tuch.
Es kommt darauf an, wie oft du das Tuch verwendest, wie gut es trocknet und welche Oberflächen du damit reinigst. Mikrobiologe Philip Tierno von der New York University School of Medicine empfiehlt: "Wenn das Tuch unangenehm riecht, wachsen dort Mikroben – überall, wo Geruch entsteht, sind Keime aktiv. In diesem Fall sollte es gewaschen werden", verrät er im "Business Insider"-Interview.
Wichtig ist, dass du Geschirrfetzen und Schwämme nach der Verwendung gut trocknen lässt: Wischst du Fleisch- oder Fischreste weg, sollte das Tuch sofort in die Wäsche, denn diese Keime willst du nicht weiterverbreiten. Am besten lässt du das Lappen vorher trocknen oder wäschst es direkt.
Je nachdem, was du mit dem Lappen machst, empfiehlt es sich, mehrere Tücher zu verwenden: Eines für die Arbeitsfläche, ein anderes fürs Waschbecken und so weiter. Auch bei Handtüchern ist das ratsam – eines fürs Geschirr, eines für die Hände. So verhinderst du, dass sich Keime in der Küche breitmachen.