77 Kandidatinnen und Kandidaten haben sich ursprünglich für den Generaldirektors-Posten im ORF beworben. Darunter auch Spaßbewerber, etwa ein Herr "Pimmelmann", wohnhaft in der "Puffgasse".
Am 1. Juni hatte die Findungskommission des ORF-Stiftungsrates die Aufgabe, aus diesen 77 jene auszusieben, die formal die Ausschreibungskriterien erfüllen. Dabei blieben genau 13 übrig. Doch das war nicht die letzte Hürde für die Bewerber.
Um am Hearing im Stiftungsrat unmittelbar vor der Wahl am Donnerstag teilnehmen zu können, brauchten sie die Einladung von zumindest einem der 35 Mitglieder des Gremiums. Das reduzierte das Bewerberfeld erneut auf nur mehr sieben. Am Dienstag wurden noch zwei Kandidatinnen von einer SPÖ-nahen Stiftungsrätin nachnominiert. Das heißt: Insgesamt stellen sich am Donnerstag (ab 10 Uhr) neun Personen der Wahl.
Es sind das einerseits ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer, die sich als Erste offiziell beworben hatte, Ex-APA-Chef Clemens Pig, der für die Bewerbung sogar seinen Job geschmissen hat, und ORF-III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz. Aus diesem Kreis dürfte auch der oder die Neue am Chefsessel kommen.
Als Favorit wird der ehemalige Geschäftsführer der APA, Clemens Pig, gehandelt. Er soll das Vertrauen von Kanzler Stocker genießen und gilt als Erfindung des roten Stiftungsrats-Vorsitzenden Heinz Lederer. Zuletzt dürfte aber Nervosität aufgekommen sein: Sowohl bei Pig als auch bei Breitenecker glüht das Telefon, berichten Stiftungsräte gegenüber "Heute". Für den Fall seiner Wahl sind Anfechtungen vor Gericht vorprogrammiert. Im Burgenland und bei der FPÖ sind diese bereits in Vorbereitung.
Außenseiterchancen werden dem früheren Puls4-Chef Markus Breitenecker eingeräumt. Zu diesen vier kommen noch der Medienmanager Johannes Larcher, Ex-Servus-TV-Chef Robert Altenburger, Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz sowie die beiden Nachnominierten, Sonja Sagmeister (ORF-Journalistin) und die frühere ORF-Managerin Petra Höfer.
Bei der ORF-Belegschaft steht – wie berichtet – Magazin-Chefin Lisa Totzauer hoch im Kurs. Sie tritt mit einem echten Reform-Programm an, bekam bei einer internen Wahl trotzdem 51 Prozent der Stimmen der ORF-Mitarbeiter (Pig: 18 Prozent, Breitenecker 13 Prozent). Die zweifache Mutter bringt einen unschätzbaren Vorteil mit: Sie arbeitet seit Jahrzehnten beim ORF, müsste sich nicht erst monatelang mühsam in die Marterie einarbeiten.
Los geht der Wahlvorgang am Donnerstag um 10 Uhr im ORF-Zentrum am Küniglberg. Die neun Kandidatinnen und Kandidaten dürfen dem Stiftungsrat ihre Konzepte jeweils 20 Minuten lang präsentieren. Danach haben die Stiftungsräte zehn Minuten Zeit für Fragen – mit der Möglichkeit, diese Zeit auch zu verlängern.
Bei der Präsentation der Konzepte müssen die Bewerber ihre starke Überzeugung für ein öffentlich-rechtliches Medienunternehmen darlegen und erläutern, wie sie das Vertrauen von Publikum und Belegschaft gewinnen wollen. Im Anschluss folgt die Stimmabgabe.
Die 35 Stiftungsräte müssen ihre Entscheidung für eine Person begründen und erklären, warum sie ihrer Meinung nach besser geeignet ist als die anderen Kandidaten. So will es das Europäische Medienfreiheitsgesetz. Skurrilität: Diese Begründungen werden zwar protokolliert, aber nicht veröffentlicht.
Die nächste Skurrilität: Die Wahl findet zwar "geheim" in einer Wahlzelle statt. Die Stimmzettel sind aber namentlich gekennzeichnet.
Bei der Wahl genügt die einfache Mehrheit. Das heißt: Zumindest die Stimmen von 18 der 35 Stiftungsräte sind notwendig. Schafft kein Bewerber das beim ersten Versuch, folgt ein zweiter Wahlgang zwischen den beiden im ersten stimmenstärksten Kandidaten. Gibt es bei diesem Wahlgang Stimmengleichstand, entscheidet die Stimme des Stiftungsrats-Vorsitzenden. Das ist Heinz Lederer, Leiter des SPÖ-Freundeskreises im Aufsichtsgremium.
Der wird im Anschluss an die Wahl vermutlich auch den Sieger oder die Siegerin in einer gemeinsamen Pressekonferenz vorstellen. Das dürfte gegen 16 Uhr so weit sein. Dann wissen wir, wer die größte Medienorgel des Landes ab 2027 führt.