Während viele die Kostüme sowie die spukige Deko im Haus an Halloween als harmlos empfinden, graust es die meisten dennoch, wenn ein düsterer Horrorfilm am Gruselabend eingeschaltet wird. Doch genau solche Streifen können dafür sorgen, mit Ängsten oder sogar Depressionen besser umgehen zu können.
In einer Studie untersuchte der US-Psychologe Coltan Scrivner Antworten von rund 400 Teilnehmer, die einen Online-Fragebogen zu ihrem Konsum von Horrorfilmen beantworteten. Bei der Analyse der Ergebnisse stellte er fest, dass die Teilnehmer in drei Hauptgruppen unterteilt werden konnten.
Die erste Gruppe, die Adrenalinjunkies, wurde von den körperlichen Empfindungen der Spannung angetrieben. Durch die Angst, welche durch die Horrorfilme ausgelöst wurde, fühlten sie sich "lebendiger". Im Gegensatz dazu neigten die "White Knucklers", den Stress, den die Horrorfilme hervorriefen, nicht besonders zu mögen. Laut Scrivner liebten sie nicht das Gefühl der Angst, sondern mochten es, diese überwinden zu können. Die "White Knucklers" bekamen, unter anderem, das Gefühl vermittelt, dass die emotionale Achterbahnfahrt während des Films ihnen geholfen hat, etwas Wichtiges über sich selbst zu lernen.
Die dritte Gruppe, die "Dark Copers", schauen Horrorfilme an, um beispielsweise zu erforschen, wie gewalttätig die Welt sein kann und um sich daran zu erinnern, wie sicher ihr eigenes Leben im Vergleich zu den Gruselfilmen ist. Einige der "Dark Copers" sahen die Filmhandlung auch als eine Möglichkeit, ihre Ängste oder sogar Depressionen zu bewältigen.
Um zu testen, ob dieselben Ergebnisse auch in einem völlig anderen Kontext zutreffen würden, tat sich Scrivner mit dänischen Forschern zusammen, welche die Besucher des Horror-Labyrinths "Dystopia Haunted House" in Velje befragten. Dort kristallisierten sich dieselben drei Typen heraus.
Scrivner schlägt deshalb vor, dass Horrorgeschichten sogar in die psychologische Therapie integriert werden könnten, um Menschen beizubringen, sich schwierigen Situationen zu stellen.
Forscher in den Niederlanden sind dem bereits auf der Spur: Mithilfe eines Videospiels namens "MindLight" werden Kinder, die mit Angstzuständen zu kämpfen, therapiert. In "MindLight" bewegen sich die Kids in einem Spukhaus mit kreischenden Monstern, welche die Spielfigur verfolgen. Dabei trägt das Kind ein EEG-Headset, das seine Gehirnaktivität misst und damit direkt ein Licht auf dem Spielcharakter steuert. Je entspannter das Kind beim Zocken bleibt, desto heller leuchtet die Lampe – eine Belohnung für das Kind, das seine innere Ruhe dabei beherrscht.
In mehreren klinischen Studien empfinden Kinder, die das Spiel regelmäßig spielen, weniger Angst in ihrem Alltag – mit ähnlichen Vorteilen wie bei der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie.
"Das ist unglaublich, denn das ist der Goldstandard für die Behandlung von Angstzuständen bei Kindern", betont Scrivner gegenüber "BBC". Er vermutet zudem stark, dass eine regelmäßige Konfrontation mit Horrorgeschichten, wie in Romanen oder Filmen, einen ähnlichen Zweck erfüllen könnten.