Für ein paar hundert Euro am Tag den Traum auf vier Rädern leben – genau das bietet eine Autovermietung von Naderi Kholid (24) aus Wien an. Im Fuhrpark befinden sich mehrere BMW M-Modelle, diverse Audis und Mercedes-AMG-Boliden. Die absolute Speerspitze bildet eine sündhaft teure, von Brabus getunte, Mercedes G-Klasse. Neupreis: mehrere 100.000 Euro.
Die Mietpreise für das Super-SUV haben es in sich: Wer den Brabus fahren will, zahlt für vier Stunden 499 Euro – eine Woche kostet 3.499 Euro. Doch genau dieses Luxus-SUV wurde für den jungen Unternehmer jetzt zum kriminellen Problem. Im Sommer 2025 mietete ein österreichischer Kunde die G-Klasse an – brachte sie jedoch nicht wie vereinbart zurück.
Der Österreicher T. buchte das Fahrzeug ganz normal für einen längeren Zeitraum. Die Übergabe verlief unkompliziert, alle Unterlagen waren vorhanden – für Naderi gab es zunächst also keinen Grund zur Sorge.
Wenig später hatte der 24-Jährige aber über ein im Fahrzeug verbautes GPS-System festgestellt, dass sich der Mercedes nicht mehr in Österreich, sondern im Ausland befand. Auf seine Nachfrage hin wurde er allerdings beruhigt: "Mir wurde erklärt, dass alles seine Richtigkeit habe und das Fahrzeug im Rahmen einer Weitergabe genutzt werde." Offenbar wollte der Österreicher am Mercedes selbst mitverdienen und ihn untervermieten.
In den darauffolgenden Tagen und Wochen fiel dem Unternehmer allerdings auf, dass sich die G-Klasse immer wieder zwischen verschiedenen Ländern bewegte. Zwischenzeitlich war das Fahrzeug aber auch wieder in Wien, was ihn zunächst beruhigt hatte. Die Standorte wechselten mehrfach, unter anderem zwischen Polen, Litauen und Estland.
Immer wieder wurde Naderi mit unterschiedlichen Erklärungen vertröstet. "Da das Fahrzeug auch kurz vor dem vereinbarten Rückgabetermin weiterhin im Ausland war, entschied ich mich, selbst aktiv zu werden und der Sache nachzugehen", so der 24-Jährige im "Heute"-Talk.
Er selbst fuhr dann gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern nach Litauen, um herauszufinden, was tatsächlich mit dem Auto passiert ist. Vor Ort habe er Kontakt zu einem Aserbaidschaner aufgenommen, der den Mercedes zu diesem Zeitpunkt nutzte. "Wir haben uns in einem Lokal getroffen. Die Situation wirkte von Anfang an ungewöhnlich", erzählt Naderi.
Auf seine Fragen wurden ihrm verschiedene Geschichten aufgetischt, warum sich das Fahrzeug hier befinde. Zudem forderte der Mann ihn mehrfach auf, wieder nach Österreich zurückzufahren. Die G-Klasse wollte der Aserbaidschaner verlässlich nach Österreich zurückbringen. Doch der Wiener ließ sich davon nicht beeindrucken und pochte darauf, selbst mit dem Auto nach Wien zu fahren.
"Kurz darauf wurde plötzlich das GPS-Signal des Fahrzeugs deaktiviert. Gleichzeitig haben sich mehrere anwesende Personen sehr schnell vom Ort entfernt, was die Situation zusätzlich verschärft hat", schildert Naderi die dubiosen Szenen.
Wenig später erhielt der 24-Jährige einen Anruf – das Auto sei angeblich bereits auf dem Weg zurück nach Österreich. Um die Geschichte glaubhaft zu machen, wurden ihm Positionsdaten übermittelt, die sich allerdings als falsch herausgestellt hatten.
Für Naderi begann also die Suche nach seiner G-Klasse direkt vor Ort. Mithilfe zuvor gespeicherter Bewegungsdaten und eines zusätzlichen Trackers, der im Fahrzeug verborgen und von den mutmaßlichen Tätern offenbar übersehen worden war, konnte der Wiener das Suchgebiet auf etwa zwei Kilometer eingrenzen.
Nach intensiver Suche wurde er schließlich fündig: Die Brabus-G-Klasse war in einem Waldstück versteckt.
Daraufhin verständigte Naderi sofort die örtliche Polizei, die das Fahrzeug rechtzeitig sicherstellen konnte. Offenbar wartete der getunte Geländewagen nur darauf, weiterverkauft oder in Einzelteile zerlegt zu werden.
In der Nähe fiel zudem eine verdächtige Person auf, die zunächst flüchten wollte, aber kurze Zeit später doch noch gestoppt werden konnte. Bei dem Mann wurde unter anderem der passende Schlüssel zu der besagten G-Klasse gefunden.
Für den österreichischen Sportwagenvermieter ging die Geschichte glimpflich aus – der Schaden hätte nämlich deutlich größer ausfallen können. Der Fall zeigt jedoch, wie organisiert und grenzüberschreitend solche Banden mittlerweile agieren.