Wälder, Wiesen und selbst viele Grünflächen in der Stadt werden gerade für immer mehr Menschen zur kostenlosen Speisekammer. Statt nur spazieren zu gehen, ziehen sie mit Stoffsackerln oder Korb los und sammeln Bärlauch, Holunderblüten oder wilde Kräuter direkt aus der Natur. "Foraging" erlebt aktuell ein echtes Comeback. Doch wer einfach drauflos pflückt, kann schnell gefährliche Fehler machen.
"Foraging" ist im Grunde die modernisierte Form des klassischen Sammelns. Schon lange bevor Menschen Landwirtschaft betrieben, ernährten sie sich von Wildpflanzen, Kräutern, Beeren oder Pilzen. Heute geht es dabei meist weniger ums Überleben als um Naturerlebnis, Nachhaltigkeit und bewusste Ernährung. Viele schätzen außerdem den besonderen Geschmack frischer Wildkräuter und die Freude daran, Lebensmittel selbst zu entdecken.
Grundsätzlich dürfen Wildpflanzen hier für den Eigenbedarf gesammelt werden – allerdings nicht überall. In Naturschutzgebieten, Nationalparks oder privaten Grünanlagen gelten oft strenge Regeln oder komplette Sammelverbote. Auch öffentliche Parks oder bepflanzte Beete sind oft tabu. In Wäldern ist das Sammeln hingegen häufig erlaubt, solange kein ausdrückliches Verbot besteht.
Wichtig ist zudem: Nur kleine Mengen für den persönlichen Gebrauch mitnehmen. In Österreich dürfen pro Person und Tag maximal zwei Kilogramm Beeren oder Pilze gesammelt werden. Bei Wildpflanzen wie Blättern, Blüten oder Kräutern gilt: Erlaubt ist nur jene Menge, die dem Eigenbedarf entspricht.
Wer größere Mengen sammeln oder Pflanzen kommerziell nutzen möchte, benötigt dafür eine Genehmigung. Streng geschützte Pflanzenarten dürfen ebenso keinesfalls gepflückt werden. Wenn Unsicherheit besteht, sollte die Pflanze lieber stehen gelassen werden.
Beim Foraging gilt die wichtigste Regel überhaupt: Niemals etwas essen, das nicht zu 100 Prozent bestimmt wurde. Viele essbare Pflanzen haben gefährliche Doppelgänger: Besonders bekannt ist die Verwechslungsgefahr zwischen Bärlauch und giftigen Pflanzen wie Maiglöckchen oder Herbstzeitlose. Auch Schierling, eine hochgiftige Pflanze, ähnelt manchen essbaren Wildkräutern.
Deshalb wird Anfängern empfohlen, zunächst mit erfahrenen Sammlern unterwegs zu sein oder spezielle Kurse zu besuchen. Außerdem solltest du Pflanzen niemals an stark befahrenen Straßen, Industrieflächen oder direkt neben Hundewiesen sammeln. Schadstoffe, Abgase oder Verunreinigungen können die Pflanzen belasten.
"Foraging" bedeutet nicht, möglichst viel einzusacken: Wer sammelt, sollte der Natur immer genug zurücklassen. Pflanzen sollten niemals samt Wurzel ausgerissen werden: Stattdessen werden Blätter oder Triebe vorsichtig abgeschnitten, damit die Pflanze weiter wachsen kann. Außerdem sollte man nie ganze Flächen leer sammeln, sondern nur kleine Mengen aus verschiedenen Bereichen mitnehmen.
Denn viele Pflanzen sind wichtige Nahrungsquellen für Insekten und Tiere. Selbst die oft ungeliebte Brennnessel spielt etwa eine zentrale Rolle für Bienen und Schmetterlinge.
Am Ende geht es beim "Foraging" ohnehin um weit mehr als nur kostenloses Essen. Wer beginnt, Wildpflanzen bewusst wahrzunehmen, entdeckt die Natur plötzlich mit völlig anderen Augen. Zwischen Wiesen, Waldrändern und Stadtgrün wachsen oft echte Schätze, an denen man sonst achtlos vorbeigeht.