Du kennst die Bilder: überfüllte Strände, lange Schlangen vor Sehenswürdigkeiten und gefühlt der hundertste Sonnenuntergang am Meer. Schön? Natürlich. Doch manche Orte warten regelrecht darauf, dass der Sommer endlich vorbei ist: Wenn die Tage kürzer werden, beginnt dort die vielleicht spektakulärste Zeit des Jahres.
Bevor Schnee und Polarnacht Finnisch-Lappland übernehmen, passiert dort etwas, das die Finnen "Ruska" nennen. Wälder, Fjälls und Sträucher verfärben sich für kurze Zeit gelb, orange und rot. In Nordfinnland beginnt dieses Naturschauspiel meist Anfang September, der Höhepunkt liegt durchschnittlich in der zweiten Septemberwoche und hält oft nur rund zehn Tage.
Und nach Sonnenuntergang wartet womöglich gleich das nächste Spektakel. Die Polarlicht-Saison beginnt bereits Ende August; September und Oktober zählen zu den Monaten mit besonders viel Aurora-Aktivität. Klare Sicht vorausgesetzt, kannst du also Herbstfarben und Nordlichter auf derselben Reise erleben.
Japan im Frühling kennt jeder – doch Kōyō, die japanische Herbstlaubfärbung, kann es locker mit der berühmten Kirschblüte aufnehmen. Das Beste daran: Das Farbenspiel zieht vom kühleren Norden immer weiter Richtung Süden und lässt sich dadurch über Wochen verfolgen.
Für 2026 wird die rote Laubfärbung in Tokio derzeit um den 28. November erwartet. In Kanazawa lautet die aktuelle Prognose 30. November, in Kyoto sogar 11. Dezember. Die Termine können sich mit der Witterung allerdings noch verändern.
Wer daraus eine Reise machen möchte, kann etwa Tokio, Kanazawa und Kyoto verbinden. Tempel, Gärten und Berglandschaften bekommen zwischen roten Ahornblättern noch einmal eine völlig andere Atmosphäre.
Im Nordosten der USA gibt es für das herbstliche Blätterschauen sogar einen eigenen Ausdruck: "Leaf Peeping". Und spätestens wenn du Vermont oder New Hampshire im Oktober siehst, verstehst du, warum.
Ahornwälder färben ganze Berghänge in Rot, Orange und Gold. In New Hampshire beginnt der Höhepunkt üblicherweise Ende September im hohen Norden und wandert anschließend südwärts. In den White Mountains sind die ersten beiden Oktoberwochen meist besonders farbenprächtig.
Perfekt für einen Roadtrip: in Boston starten und von dort Richtung Vermont und New Hampshire fahren. Wichtig ist nur etwas Flexibilität – Temperatur und Wetter entscheiden jedes Jahr mit, wann die Farben ihren Höhepunkt erreichen.
Die Dolomiten sind im Sommer beeindruckend. Im Herbst bekommen sie allerdings eine Kulisse, die nur wenige Wochen bleibt: goldgelbe Lärchen, klare Bergluft und mit etwas Glück bereits weiß angezuckerte Gipfel.
Rund um Bozen und Meran kommt noch etwas hinzu, das diese Jahreszeit besonders macht. Zwischen Weinbergen und Bergen lässt sich wandern, während sich die Landschaft langsam vom Sommer verabschiedet. Je nach Höhenlage verändert sich das Farbenspiel zu unterschiedlichen Zeitpunkten – wer flexibel ist, hat deshalb die besten Chancen auf den goldenen Moment.
Colmar, Riquewihr und Eguisheim sehen mit ihren Fachwerkhäusern beinahe zu jeder Jahreszeit aus wie eine Filmkulisse. Im Herbst bekommt das Elsass allerdings noch eine zusätzliche Portion Romantik.
Dann verfärben sich die Rebhänge entlang der Elsässer Weinstraße, während gleichzeitig die Zeit der Weinlese das Leben in vielen Weinorten prägt. Statt Sommerhitze warten Spaziergänge durch goldene Weinberge, saisonale Küche und zahlreiche Veranstaltungen rund um den Wein. Eine schöne Route führt von Straßburg über die Weinstraße nach Colmar, mit genügend Zeit für Abstecher in die kleineren Orte.
Und vielleicht liegt genau darin der Reiz einer Herbstreise: Du musst nicht ans andere Ende der Welt fliegen, um noch einmal etwas Besonderes zu erleben. Manchmal reicht es, einen bekannten Ort zur richtigen Jahreszeit zu besuchen – und plötzlich sieht er aus, als wärst du noch nie dort gewesen.