Keime beim Kochen

Ist das Auskochen von Holzlöffeln wirklich nötig?

Auf TikTok werden die kleinen Holzutensilien in Töpfen ausgekocht, um Bakterien loszuwerden. Fachleute sehen den Social-Media-Trend kritisch.
Heute Life
02.02.2026, 12:48
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Holzlöffel haben in vielen Küchen einen festen Platz: Sie sind langlebig, nachhaltig und fühlen sich einfach besser an als Plastik oder Metall. Gleichzeitig sorgen sie immer wieder für Unsicherheit: In den Geschirrspüler dürfen sie nicht, beim Abwaschen bleiben oft Verfärbungen zurück. Spätestens dann stellt sich die Frage: Wie werden Holzlöffel überhaupt richtig sauber?

Wie sauber sind Holzlöffel wirklich?

Lange Zeit galt das Material als unhygienisch: Eine Studie aus den 1990er-Jahren fand auf Holzoberflächen mehr Bakterien als auf Kunststoff oder Metall. Im selben Jahr erschien eine weitere Untersuchung, die jedoch das Gegenteil zeigte.

Andere Studien aus 2002 und 2005 zeigten auch, dass Bakterien auf Holz deutlich schneller absterben als auf anderen Materialien. Eine neuere Analyse bestätigte dieses Ergebnis: Auf Holz überleben Keime kürzer als auf Edelstahl, Kunststoff oder Aluminium.

Der Grund liegt in der Struktur des Materials: Holz kann Feuchtigkeit aufnehmen, wodurch Bakterien ins Innere gezogen werden und dort absterben. Glatte Oberflächen wie Kunststoff bieten Keimen hingegen oft bessere Überlebenschancen.

Das eigentliche Problem der Holzlöffel

Entscheidend für die Hygiene ist weniger das Material selbst als dessen Zustand: Risse im Holz sind problematisch, weil sich dort Feuchtigkeit sammelt. In diesen feinen Spalten können sich Keime festsetzen und länger halten. Deshalb gilt: Sobald ein Holzlöffel starke Risse zeigt oder rau wird, sollte er ersetzt werden.

Auch die Holzart spielt eine Rolle: Buche, Olive und Kirsche gelten als besonders geeignet. Buchenholz ist widerstandsfähig und nimmt wenig Feuchtigkeit auf. Olivenholz ist von Natur aus leicht ölig und dadurch wasserabweisend. Kirschholz ist weicher, splittert weniger und reißt seltener.

Warum der Geschirrspüler tabu ist

Eines ist klar: Holzutensilien gehören nicht in den Geschirrspüler. Die Kombination aus großer Hitze, langem Wasserkontakt und aggressiven Reinigern lässt das Holz aufquellen. Beim Trocknen schrumpft es wieder – und es entstehen Risse. Wer sich das Abwaschen mit der Hand sparen möchte, sollte Holzlöffel lieber öfter austauschen, statt sie maschinell zu reinigen.

Für die Reinigung reicht warmes Wasser mit etwas Spülmittel vollkommen aus. Danach sollten die Löffel gut trocknen. Wer sie langfristig erhalten möchte, kann sie gelegentlich einölen. Ein neutrales Speiseöl wie Sonnenblumen-, Kokos- oder Leinöl eignet sich dafür gut: Wird das Öl leicht erwärmt, lässt es sich gleichmäßiger verteilen und zieht besser ins Holz ein. Das schützt vor dem Austrocknen und beugt Rissen vor.

Was bringt das Auskochen wirklich?

Auf Social Media kursieren derzeit zahlreiche Videos, in denen Holzlöffel ausgekocht werden. Das Wasser verfärbt sich dabei braun, was viele als Beweis für Schmutz interpretieren. Tatsächlich stammen diese Verfärbungen jedoch von natürlichen Gerbstoffen und Ölen im Holz – nicht von Keimen oder Rückständen.

TV-Köchin Martha Stewart rät nach Rücksprache mit Tischlern ausdrücklich vom Auskochen ab: Es bringe keinen hygienischen Vorteil und könne dem Holz sogar schaden. Auch der Produkttester Wirecutter der "New York Times" kommt zu einem klaren Urteil: "Wir raten dringend davon ab."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 02.02.2026, 12:51, 02.02.2026, 12:48
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