Ein gemütliches Abendessen, ein gutes Glas Wein und endlich ein bisschen Ruhe. Doch am Nebentisch wird laut gelacht, ein Kind läuft zwischen den Tischen herum, ein anderes möchte lieber spielen als essen. Was für die einen zum ganz normalen Familienalltag gehört, kann für andere den erhofften Restaurantbesuch ordentlich trüben.
Dass dieses Thema die Gemüter erhitzt, zeigen auch Diskussionen rund um italienische Lokale, die bewusst auf Gäste ohne Kinder setzen. Doch wie sieht es eigentlich in Wien aus? Müssen sich Familien und Ruhesuchende künftig zwischen unterschiedlichen Restaurants entscheiden? "Heute" hat bei der Wirtschaftskammer Wien nachgefragt.
Für die Wiener Gastronomie muss der Wunsch nach einem entspannten Lokalbesuch nicht zwangsläufig zum Konflikt werden: "An sich sehr einfach, man muss nur die Bedürfnisse erkennen und gezielt darauf eingehen", heißt es auf die Frage, wie man Familien und kinderlosen Gästen gleichermaßen gerecht werden kann.
Dabei müsse nicht jedes Restaurant für jede Zielgruppe geeignet sein: Wer mit seinem Konzept bewusst bestimmte Gäste ansprechen möchte, könne das auch tun. Entscheidend sei, wie man diesen Wunsch vermittelt: "Am besten ist es dann, das auch genau so zu kommunizieren – natürlich mit Charme und feinfühlig, ohne jemand wegzustoßen", erklärt die WKW im "Heute"-Gespräch.
Statt Familien und Ruhesuchende gegeneinander auszuspielen, setzt man auf praktische Lösungen. Besonders bewährt hätten sich getrennte Bereiche innerhalb eines Lokals: Eigene Spielzonen für Kinder oder spezielle Familienbereiche könnten dafür sorgen, dass Eltern entspannter essen und andere Gäste ihren Besuch in Ruhe genießen.
Solche Konzepte hätten sich in den vergangenen Jahren gut etabliert und würden allen Beteiligten die Möglichkeit geben, ihren Restaurantbesuch nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten.
Dabei braucht es nicht immer ein riesiges Spieleparadies. Schon kleine Aufmerksamkeiten können laut WKW einen großen Unterschied machen: Malstifte, Kartenspiele oder andere Beschäftigungsmöglichkeiten helfen Kindern, die Wartezeit zu überbrücken. Wichtig sei auch, dass sie sich innerhalb gewisser Grenzen bewegen dürfen.
Dazu kommen familienfreundliche Speisekarten: Besonders beliebt seien Kindermenüs mit Getränk, kleiner Hauptspeise und Nachspeise sowie die Möglichkeit, Speisen mit Geschwistern oder Eltern zu teilen.
Dass ein Restaurant bestimmte Regeln aufstellt oder Familien mit Kindern nicht gezielt anspricht, hält die WKW grundsätzlich für nachvollziehbar: "Natürlich – das obliegt jedem Betrieb und jedem Hausherrn", lautet die Antwort auf die Frage nach solchen Gastronomiekonzepten.
Allerdings betont die Kammer auch hier die Bedeutung eines respektvollen Umgangs. Niemand solle das Gefühl bekommen, grundsätzlich unerwünscht zu sein. Vielmehr könne ein Lokal für einen Abend zu zweit oder mit Freunden besser geeignet sein als für einen Familienausflug. Ob ein ausdrückliches Kinderverbot im Einzelfall rechtlich zulässig wäre, ist damit allerdings nicht geklärt.
Den Wiener Gastronomen empfiehlt die WKW jedenfalls, über Generationen hinweg zu denken. Oft genügten bereits einfache Angebote, damit sich Familien willkommen fühlen. Und das könnte sich langfristig auszahlen: Wer als Kind gerne in ein bestimmtes Restaurant gegangen ist, kommt womöglich Jahre später mit den eigenen Kindern zurück.