Was einst nach Zukunftsmusik klang, wird langsam Realität: autonomes Fahren. Immer mehr Hersteller bieten Fahrzeuge an, die teil- oder hochautomatisiert unterwegs sind – der Fahrer wird dabei zunehmend zum Passagier.
Tesla sorgt aktuell für Aufsehen mit seinem Fahrassistenten "Full Self-Driving (Supervised)". Seit April 2026 ist das System in den Niederlanden offiziell zugelassen und erlaubt dort teilautomatisiertes Fahren bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h. Die Funktion kostet einmalig 7500 Euro oder monatlich 99 Euro im Abo – Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug in den Niederlanden zugelassen ist.
Wie die "Autobild" berichtet, muss die Person am Steuer trotz aktiver FSD-Funktion jederzeit bereit sein, das Steuer zu übernehmen. Tesla übernimmt keine Haftung für Unfälle, die Verantwortung liegt weiterhin beim Fahrer. Der Start in den Niederlanden könnte als Vorlage für weitere EU-Zulassungen dienen, wobei die jeweiligen Behörden darüber entscheiden.
Auch andere Hersteller sind beim automatisierten Fahren weit fortgeschritten: Mercedes etwa bietet mit dem "Drive Pilot" für die S-Klasse und den EQS ein hochautomatisiertes System auf Level 3 an. Damit fährt das Auto auf deutschen Autobahnen bis 95 km/h und übernimmt in dieser Zeit die Haftung. BMW hingegen setzt auf den "Personal Pilot L3", der im 7er-Modell bis 60 km/h automatisiertes Fahren ermöglicht. Mit dem erweiterten Autobahn-Assistenten sind zudem teilautomatisierte Fahrten bis 130 km/h möglich.
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal hat derzeit nur Tesla: Der FSD-Assistent bietet – wenn auch überwacht – die Möglichkeit, die gesamte Fahrtstrecke im autonomen Modus zu absolvieren. Viele Hersteller testen derzeit neue Features und arbeiten an weiteren Zulassungen.
Der Multimarken-Konzern Stellantis, das IT-Unternehmen NVIDIA, Uber und Foxconn haben eine Kooperation gegründet, um fahrerlose Robotaxis auf Level 4 zu entwickeln. Ziel ist es, ab 2028 rund 5000 Fahrzeuge in den USA einzusetzen. Während Stellantis die Autos liefert, steuert NVIDIA die Software bei, Foxconn übernimmt die Integration und Uber bringt die Fahrgäste. Uber-Chef Dara Khosrowshahi meint dazu: "In 20 Jahren werden alle unsere Ubers selbst fahren."
Die Allianz Versicherung rechnet damit, dass autonomes Fahren die Zahl der Unfälle in Europa bis 2035 um 20 Prozent und bis 2060 sogar um mehr als die Hälfte senken könnte. Trotzdem gibt es bei vielen Autofahrern noch Vorbehalte: Laut einer aktuellen Allianz-Umfrage lehnt ein Drittel Fahrzeuge ohne Lenker ab, vier von fünf wollen zumindest die Möglichkeit zum Eingreifen behalten.
Das autonome Fahren wird in fünf Stufen unterteilt: Stufe 1 (assistiert), Stufe 2 (teilautomatisiert), Stufe 3 (hochautomatisiert), Stufe 4 (vollautomatisiert) und Stufe 5 (autonom, kein Lenkrad mehr nötig). Aktuelle Serienfahrzeuge bewegen sich meist zwischen Level 2 und 3. Die SAE-Definition dieser Stufen ist international anerkannt.
Die Technik hinter autonomen Systemen umfasst Kameras, Radar, Lidar und GPS. Während einige Hersteller auf günstige Kamerasysteme wie Tesla setzen, gilt Lidar als Schlüsseltechnologie für besonders sichere Systeme – ist aber auch teurer.
Die gesetzliche Lage ist komplex: In Deutschland wurde der Betrieb von Fahrzeugen mit Level-4-Automatisierung bereits geregelt. Für die Haftung bei Unfällen kommen neben dem Hersteller auch der Fahrzeughalter und die technische Aufsicht infrage. Auch Fragen zu Datenschutz und IT-Sicherheit sind noch offen.
Ungeachtet aller Fortschritte bleiben Herausforderungen bestehen: Technische Fehler, ethische Dilemmata und die Akzeptanz der Bevölkerung sind zentrale Themen. Dennoch sehen Experten Chancen, durch autonomes Fahren die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Mobilität für viele Menschen zu verbessern.