Gruseliger Beauty-Trend

"Zombie-Filler" – Schönheitsärzte spritzen Leichenfett

Lippen voller, Haut straffer, Körper definierter – und das mit Fett, das von Toten stammt. Die Alloclae-Behandlung spaltet derzeit die Beauty-Branche.
Heute Life
01.04.2026, 18:37
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Der Blick in den Spiegel dauert heute oft länger als früher. Ein kleiner Makel hier, ein bisschen mehr Volumen dort – und schon wächst der Wunsch nach Veränderung. In einer Welt voller perfekter Visagen und makelloser Körper scheint Optimierung fast zur Pflicht geworden zu sein.

Doch ein neuer Beauty-Trend sorgt jetzt für Aufsehen – und bei vielen auch für Gänsehaut: Immer mehr Menschen lassen sich Fett von Verstorbenen injizieren. Was wie ein makabrer Horrorfilm klingt, ist in einigen Kliniken bereits Realität.

Der nächste Schritt im Beauty-Wahn

Filler gehören längst zum Alltag der ästhetischen Medizin: Ob Hyaluronsäure, körpereigenes Fett oder andere Substanzen – kleine Eingriffe versprechen schnelle Ergebnisse ohne große Ausfallzeit. Doch für manche reicht das nicht mehr: Der Druck, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen, wächst.

Social Media, Werbung und Fitness-Trends vermitteln ein Bild von Perfektion, das für viele kaum erreichbar ist. Die Folge: Immer mehr Menschen greifen zu immer ungewöhnlicheren Methoden, um ihrem Ideal näherzukommen.

Der makabre Trend

Die neueste Entwicklung nennt sich "Alloclae". Hinter dem futuristisch klingenden Namen verbirgt sich jedoch etwas, das viele abschreckt: Fettgewebe von verstorbenen Spendern. Umgangssprachlich wird bereits von "Zombie-Filler" oder "Kadaverfett" gesprochen: Das entnommene Fett wird sterilisiert, aufbereitet und anschließend in gewünschte Körperpartien injiziert – etwa in Lippen, Gesicht oder Gesäß.

Der Vorteil aus Sicht einiger Ärzte: "Die Empfänger der Alloclae-Implantate benötigen keine Operation. Sie benötigen keine Vollnarkose. Sie haben keine Genesungszeit und die damit verbundenen Schmerzen", erklärt Chirurg Douglas Steinbrech gegenüber "Guardian".

Nicht nur für Frauen

Auch Männer greifen zunehmend zu ästhetischen Eingriffen – sei es für definiertere Muskeln, breitere Brustpartien oder kräftigere Waden. Experten sehen darin einen gesellschaftlichen Wandel: Auch Männer stehen immer stärker unter Druck, einem idealisierten Körperbild zu entsprechen. Superhelden-Filme und Social-Media-Trends verstärken diesen Effekt zusätzlich.

Selbst Menschen, die bereits fit und trainiert sind, suchen nach "kleinen Verbesserungen" – und greifen dabei zu immer extremeren Mitteln.

Kritik aus der Medizin

Doch nicht alle sehen den Trend positiv. Einige Fachleute warnen vor vorschneller Begeisterung: "Wir gehen hier zu schnell vor. Es gibt noch nicht mal Nachfolgestudien. Das wird wahllos eingesetzt", gesteht Glenn Lyle, US-Schönheitschirurg, im "Guardian"-Interview.

Besonders heikel: Injektionen im Brustbereich könnten medizinische Untersuchungen erschweren. Es ist unklar, ob sich durch das fremde Fett Knoten bilden, die bei Vorsorgeuntersuchungen für Verunsicherung sorgen.

Ethische Fragen bleiben offen

Neben medizinischen Risiken wirft der Trend auch ethische Fragen auf. Vielen Spendern dürfte gar nicht bewusst sein, wofür ihr Körpergewebe letztlich verwendet wird: In Spenderformularen wird Fettgewebe oft nicht explizit erwähnt, sondern unter allgemeinen Kategorien geführt. Ob alle Beteiligten einer Nutzung für kosmetische Zwecke zustimmen würden, bleibt fraglich.

Luxus für wenige

Hinzu kommt: Günstig ist die Methode nicht. Für kleine Mengen des Materials sind in Steinbrechs Klinik gleich mehrere tausend Euro fällig. Größere Eingriffe, wie eine Bruststraffung, kosten fast 18.000 Euro. Alloclae bleibt damit vorerst ein Luxusprodukt für wenige – mit wachsender Aufmerksamkeit, aber auch wachsender Kritik.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 02.04.2026, 09:02, 01.04.2026, 18:37
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