Sie kleben auf Wangen, Kinn und Stirn, leuchten auf TikTok in Herz- oder Sternform und versprechen schnelle Hilfe: "Pimple Patches" sind vom Nischenprodukt in den Beauty-Mainstream hineingerutscht. Doch wie wirksam sind diese Anti-Pickel-Sticker wirklich? Können sie Unreinheiten tatsächlich über Nacht verschwinden lassen oder sind sie nur hübsches Pflaster? Wiener Dermatologin Barbara Franz erklärt "Heute", was die kleinen Sticker können, wo ihre Grenzen liegen und für wen sie überhaupt geeignet sind.
Franz sieht die Pickel-Pickerl vor allem als moderne, clevere Form der Wundversorgung:
"Die Sticker können kleine entzündliche Unreinheiten beruhigen, schützen und teilweise schneller abheilen lassen. Sie arbeiten wie ein Mini-Wundverband", sagt sie. Sie ziehen überschüssiges Sekret und Talg aus der entzündeten Stelle, halten die Haut gleichzeitig feucht und verhindern, dass man unbewusst drückt oder kratzt. Das kann Schwellung und Rötung reduzieren – und auch das Risiko für dunkle Flecken oder kleine Narben minimieren.
Am besten funktionieren die "Patches" dort, wo der Pickel bereits relativ oberflächlich liegt. "Sie wirken besonders gut bei 'Whiteheads', also Pickeln mit einem weißen Talgpfropf. Das Pickerl kann dann aktiv Flüssigkeit aufnehmen und den Heilungsprozess beschleunigen", erklärt die Dermatologin. Tiefer liegende Hautprobleme erreichen sie nicht: "Bei unterirdischen Knötchen oder Zysten funktionieren sie nicht, denn da liegt der Entzündungsherd zu tief."
Die Basis fast aller "Pimple Patches" ist Hydrokolloid – ein Material, das Feuchtigkeit absorbiert und eine optimale Umgebung für den Heilprozess schafft. Doch viele Hersteller setzen zusätzlich auf Wirkstoffe: "Einige Varianten enthalten außerdem Inhaltsstoffe wie Salicylsäure, die überschüssigen Talg löst und Poren öffnet, Teebaumöl mit antibakterieller Wirkung, Niacinamide zur Rötungsreduktion oder CICA, das die Hautheilung unterstützt", verrät Franz gegenüber "Heute".
Ein Ersatz für eine gute Hautpflegeroutine sind sie aber nicht: "Unreine Haut braucht eine Mischung aus Sanftheit und Konsequenz", meint die Hautärztin.
Regelmäßiges Reinigen ohne aggressive Peelings, leichte nicht-komedogene Feuchtigkeitspflege und Wirkstoffe wie Salicylsäure, Retinoide oder Benzoylperoxid seien sinnvoll.
Ein häufiger Fehler bleibt das mechanische Drücken – für Franz ein No-Go: "Im Normalfall: Nein, bitte nicht ausdrücken." Beim Ausdrücken werde häufig mehr Entzündungsmaterial in umliegendes Gewebe gepresst. Das verstärke die Schwellung, mache den Pickel größer und steigere das Risiko für Narben, Verfärbungen oder Infektionen. Wenn überhaupt, sollte das Entfernen nur professionell bei einem Kosmetiker oder Dermatologen erfolgen.
Die Sticker funktionieren nicht für jeden Hauttyp: Menschen mit sehr empfindlicher oder Allergie-anfälliger Haut sollten genau auf die Inhaltsstoffe achten, vor allem wenn ätherische Öle enthalten sind. Auch bei Rosazea, Ekzemen oder tiefen, zystischen Akneformen bringen Patches kaum etwas. "Bei größeren Entzündungen oder hormonell bedingter schwerer Akne ist eine dermatologische Behandlung immer sinnvoller als punktuelle Sticker", betont Franz schließlich.