Eigentlich soll es unsichtbar machen. Doch ausgerechnet dieses Muster fällt jetzt wieder überall auf: Camouflage erobert die Straßen, Schaufenster und Kleiderschränke. Ob als lässige Hose, auffällige Jacke oder kleine Handtasche – das einstige Militärmuster ist zurück im Modegeschäft. Besonders angesagt ist der Kontrast zu eleganten Kleidungsstücken.
Doch während Fashionfans den Look feiern, stellt sich eine heikle Frage: Wie passend ist Tarnkleidung in Zeiten von Krieg und Krisen?
Wer bei Camouflage nur an schwere Stiefel und weite Militärhosen denkt, liegt heuer daneben. Der Trend zeigt sich deutlich verspielter – und vor allem eleganter. Modebewusste kombinieren Tarnhosen mit feinen Ballerinas, schicken Absatzschuhen oder einem klassischen Blazer. Auch Taschen und Jacken mit dem markanten Muster sind wieder gefragt.
Camouflage stammt vom französischen Wort für "Tarnung". Ursprünglich sollte das Muster Soldaten und militärische Ausrüstung vor Entdeckung schützen. Doch seine Bedeutung hat sich im Lauf der Jahrzehnte gewandelt: Schon in den 1960er-Jahren trugen junge Menschen Militärparkas nicht als Zeichen der Kriegsbegeisterung, sondern aus Protest dagegen.
"Die junge Generation kaufte ihre Parkas bei uns und setzte dann ihre Peace-Zeichen drauf", erklärt Anneli Bamberger vom Zürcher Bambus Army & Navy Surplus Store gegenüber "20 Minuten". Die Friedensbewegung machte aus ausrangierter Militärkleidung ein Symbol des Widerstands. Später fand das Muster seinen Weg in die Modewelt – und taucht seither immer wieder als Trend auf.
Für Soziologin Monika Kritzmöller ist Tarnung nicht automatisch mit Kampf verbunden. Schließlich nutzen auch Tiere Farben und Muster, um sich vor Gefahren zu schützen: "Camouflage bedeutet nicht nur Angriff, sondern auch Schutz", verrät sie im "20 Minuten"-Interview.
Hinzu kommt der modische Reiz: Militärkleidung ist oft funktional geschnitten, robust verarbeitet und lässt sich vielseitig kombinieren. Diese Eigenschaften machen den Look für viele Menschen attraktiv.
Ganz unproblematisch ist das Comeback allerdings nicht. Angesichts der aktuellen militärischen Konflikte kann ein Tarnmuster bei manchen Menschen unangenehme Erinnerungen oder Gefühle auslösen: "Gerade jetzt, wo es so viele Spannungen und militärische Konflikte gibt, kann der Camouflageprint falsch interpretiert werden oder ein ungutes Gefühl auslösen", warnt Fashion-Beraterin Sharon Jost gegenüber "20 Minuten".
Das bedeutet nicht, dass jeder Camouflage-Look eine politische Botschaft transportiert. Viele tragen das Muster schlicht, weil es ihnen gefällt. Trotzdem lohnt es sich, die Geschichte hinter dem Trend zu kennen und sensibel damit umzugehen.
Wer Camouflage ausprobieren möchte, muss sich nicht gleich von Kopf bis Fuß tarnen. Schon eine Tasche, eine Kappe oder ein einzelnes Kleidungsstück kann einem schlichten Outfit einen spannenden Akzent verleihen. Besonders modern wirkt das Muster zu neutralen Farben, eleganten Schuhen oder einem klassischen Blazer.
Übrigens: Camouflage ist längst nicht der einzige Modetrend mit militärischen Wurzeln. Auch Bomberjacken, Kampfstiefel und Trenchcoats stammen ursprünglich aus diesem Bereich.