Fressattacken vorprogrammiert

Dieser beliebte Abnehm-Trend löst nur Heißhunger aus

Saftkuren, Pulver, Kapseln: Detox gilt als schneller Weg zur Traumfigur. Doch statt Reinigung erlebt der Körper oft etwas ganz anderes.
Heute Life
19.02.2026, 14:25
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Der Kühlschrank ist leergeräumt, stattdessen stehen knallgrüne Säfte bereit: Detox-Kuren liegen dauernd im Trend. Auf Social-Media-Plattformen wird entgiftet, was das Zeug hält: Pulver, Kapseln oder mehrtägige Flüssigkuren sollen den Körper "reinigen" und nebenbei die Kilos purzeln lassen. Das Versprechen klingt verlockend, doch hinter dem Abnehm-Trick steckt ein entscheidender Haken.

Kontrolle um jeden Preis

Spätestens seit den 2010er-Jahren hat sich die Vorstellung verbreitet, unser Körper sei mit "Toxinen" belastet, die man aktiv ausleiten müsse. "Mit dem Aufstieg der Wellness-Kultur haben viele Menschen die Idee übernommen, die Kontrolle über ihren Körper zu haben – von den Chemikalien, denen sie ausgesetzt sind, bis hin dazu, wie lange sie leben", erklärt Janice Dada, Ernährungsberaterin, gegenüber dem Magazin "Self".

Detox-Methoden gibt es in allen Varianten: Eliminationsdiäten, Saftkuren, Nahrungsergänzungsmittel oder sogar Einläufe. "Kommerziell erhältliche Detox-Programme reichen von Eliminationsdiäten und Saftkuren bis hin zu Supplementen oder sogar Einläufen", verrät die Ernährungswissenschaftlerin Desiree Nielsen im "Self"-Interview. Beliebt sind etwa Mariendistel zur angeblichen Unterstützung der Leber oder Produkte mit abführender und entwässernder Wirkung.

Das Problem: Laut den Expertinnen basiert die Detox-Theorie auf einem grundlegenden Missverständnis der menschlichen Biologie. "Entgiftung hört niemals auf; sie ist ein ganz normaler und wichtiger Bestandteil unseres Stoffwechsels", betont Nielsen.

Leber, Nieren, Lunge und Darm arbeiten rund um die Uhr daran, Abfallstoffe abzubauen und auszuscheiden: "Unser Körper hat das im Grunde selbst im Griff", so Dada. Für gesunde Menschen gebe es keinen Grund, zusätzlich einzugreifen. Der Körper entgiftet sich selbst, ganz ohne Saftkur oder Pulver.

Fressattacken fast unvermeidlich

Viele Detox-Programme führen zwar durch die starke Kalorienreduktion kurzfristig zu Gewichtsverlust, doch dieser Effekt geht häufig mit unangenehmen Nebenwirkungen einher. Laut Dada können solche Methoden zu Müdigkeit und Schwindel führen – besonders problematisch seien Saftkuren: "Säfte enthalten in der Regel keine Ballaststoffe, das bedeutet, dass wir sie sehr schnell verdauen", erklärt sie.

Der Blutzucker steigt rasant – und fällt ebenso schnell wieder ab. Das Resultat: Energietiefs und Heißhungerattacken.

Was stattdessen wirklich hilft

Statt radikaler Maßnahmen empfehlen Expertinnen einfache, nachhaltige Gewohnheiten:

  • Mehr buntes Obst und Gemüse essen: Sie liefern Antioxidantien, die die Zellen schützen und die natürlichen Entgiftungsprozesse unterstützen.
  • Ballaststoffzufuhr steigern: Ballaststoffe fördern eine gesunde Verdauung und helfen dem Körper, Abfallstoffe effizient auszuscheiden.
  • Ausreichend Wasser trinken: Eine gute Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Nieren bei ihrer Filterarbeit.
  • Regelmäßig bewegen: Bewegung bringt den Stoffwechsel in Schwung und stärkt das gesamte System.
  • Stress reduzieren und ausreichend schlafen: Erholung ist entscheidend für Regeneration und hormonelles Gleichgewicht.

Auch wenn im Netz der Detox-Hype Kontrolle, Reinheit und schnellen Gewichtsverlust versprechen mag, führen solche Kuren meist zu Heißhunger, Energietiefs und unnötigem Stress für den Körper.

{title && {title} } red, {title && {title} } 19.02.2026, 14:25
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