Seit Montagnachmittag haben US-Streitkräfte eine eigene Blockade der Straße von Hormus errichtet. Der Iran hatte die wichtige Meerenge seit Beginn des US-israelischen Angriffskriegs de facto für den Schiffsverkehr gesperrt. Ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransports versiegte plötzlich, die Preise explodierten weltweit – auch in Österreich.
Zuletzt durften neben iranischen Tanker aber auch wieder solche mit expliziter oder erkaufter Erlaubnis aus Teheran passieren. Nachdem die Verhandlungen mit der iranischen Führung gescheitert sind, haben die Vereinigten Staaten jetzt ihre eigene Sperre hochgezogen. Die Spritpreise stiegen umgehend.
Für Oberst Markus Reisner steht US-Präsident Donald Trump in diesem Konflikt unter enormem Zugzwang: "Ändern muss sich etwas, weil die Straße von Hormus von entscheidender Bedeutung für die Versorgung der Weltwirtschaft ist", sagt er Montagmittag im ORF.
Die massive Luftkampagne der USA und Israels hat zwar die klassischen militärischen Fähigkeiten des Iran massiv beschädigt, doch Bomben und Raketen alleine helfen kaum gegen kleine, überall verteilte Einheiten. "Aufgrund der Kleinteiligkeit ist das sehr sehr schwierig auch für potente Nationen wie die USA all diese zu zerstören."
Der Iran kontrolliere weiterhin die Küste und von dort könne mit weitreichenden Waffensystemen oder kleinen Schnellbooten oder Unterwassergeräten Druck ausüben. "Er hat in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass er Schiffe treffen kann. Deshalb muss man sehr, sehr vorsichtig durch die Straße von Hormus fahren. Das bringt den amerikanischen Präsidenten in einen gewissen Zugzwang."
Doch was könnten Trump und das US-Militär dagegen tun? Bewaffnete Eskorten für Tanker-Konvois sind extrem aufwendig, wie die Amerikaner bereits in den 1980er Jahren selbst feststellen mussten. Laut Oberst Markus Reisner bräuchte es fünf bis sechs Kriegsschiffe für 10 bis 15 Tanker. "Das ist eine große Herausforderung und erklärt, warum die USA die Europäer in die Pflicht nehmen und ihre Unterstützung haben will – weil es für sie selbst zu schwer wäre."
Option 2: "Es wäre auch denkbar, dass amerikanische Spezialkräfte in der Straße von Hormus tatsächlich einige Inseln in Besitz nehmen." Diese könnten als Stützpunkte dienen, um Schiffskonvois sicher durchzuführen. "Ob das den USA gelingt, wird man alles in den nächsten Wochen und Monaten sehen." Fest steht für ihn aber: "Ändern muss sich etwas."
Kann Trump den Iran mit noch mehr militärischem Druck in die Knie zwingen? Reisner antwortet mit dem Beispiel Afghanistan: "Zwanzig Jahre war eine internationale Koalition mit Truppen vor Ort und man hat es nicht geschafft, die Taliban zu besiegen." Ähnlich könnte sich die Lage im Iran entwickeln. Auch ohne starke Armee wäre es möglich, die Meerenge lahmzulegen – die von Teheran unterstützten Huthis im Jemen haben das bereits vorgemacht.
Sie hatten ab dem Oktober 2023 den Schiffsverkehr durch die nahe Meerenge Bab al-Mandab, das "Tor der Tränen", lahmgelegt, ohne über große Streitkräfte zu verfügen. Damit war die Durchfahrt nach zwischen Europa und Asien gesperrt, Schiffe mussten daraufhin den langen Weg um ganz Afrika nehmen.