Ein Candlelight-Dinner, ein Glas Rotwein, vielleicht Austern auf Eis: Kaum ein Thema ist so sehr von Mythen umrankt wie die Lust. Doch während wir Aphrodisiaka oft belächeln oder romantisieren, spielt etwas ganz anderes eine viel größere Rolle: unsere tägliche Ernährung.
Was wir essen, beeinflusst nicht nur Haut, Immunsystem oder Gewicht, sondern auch unser sexuelles Wohlbefinden: "Viele Menschen denken bei Sexualhormonen isoliert", erklärt Nan Wise, Neurowissenschaftlerin und Sexualtherapeutin, im "Self"-Interview. "In Wahrheit hängen sie stark von unserem Stoffwechsel ab." Damit sexuelle Erregung funktioniert, braucht es vor allem eines: eine gute Durchblutung. "Unsere Genitalien sind Kreislauforgane", erläutert die Neurowissenschaftlerin.
Entscheidend ist dabei das sogenannte Endothel: Eine feine Zellschicht in den Blutgefäßen, die regelt, wie gut sich Gefäße erweitern oder zusammenziehen können.
Ob Erektion, Lubrikation oder Erregung: Mechanisch gesehen basiert Lust auf funktionierendem Blutfluss. Und der wiederum hängt stark von der allgemeinen Gefäßgesundheit ab. Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder starkes Übergewicht können nicht nur den Kreislauf, sondern auch die Hormonbalance beeinträchtigen.
"Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht gerät und Entzündungen zunehmen, wirkt sich das auch auf Testosteron aus – das wichtigste Hormon für sexuelles Verlangen bei Männern und Frauen", so Wise.
Bestimmte Nährstoffe fördern Durchblutung, Hormonbalance und Energie – und genau diese stecken in diesen neun Lebensmitteln.
Farbenfrohe Früchte wie Erdbeeren, Heidelbeeren oder Orangen sind reich an Flavonoiden, welche eine entzündungshemmende Wirkung besitzen: Sie unterstützen die Gefäßgesundheit und helfen, den Blutzucker stabil zu halten, was wichtig für eine stabile Hormonbalance ist.
Der Klassiker unter den Aphrodisiaka hat tatsächlich einen realen Kern: Austern sind extrem reich an Zink. Dieser Mineralstoff ist essenziell für die Testosteronproduktion. Bei einem Zinkmangel kann eine ausreichende Versorgung das sexuelle Verlangen steigern.
Auch Rind, Lamm oder Schwein liefern Zink: Eine 2021 im "Journal of Sex and Marital Therapy" veröffentlichte Studie fand heraus, dass eine Zink-Supplementierung bei postmenopausalen Frauen sexuelle Lust, Erregung, Orgasmusfähigkeit und Zufriedenheit signifikant verbesserte.
Lachs, Makrele oder Hering liefern Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D. Laut einer Analyse im "American Journal of Lifestyle Medicine" stehen Vitamin-D-Rezeptoren in engem Zusammenhang mit der Regulierung von Sexualhormonen wie Testosteron. Eine ausreichende Versorgung wurde mit besserer Libido und höherer sexueller Zufriedenheit in Verbindung gebracht.
Tofu, Edamame und Sojabohnen enthalten sogenannte Phytoöstrogene: Diese pflanzlichen Stoffe können die vaginale Lubrikation, Kollagenbildung und Durchblutung indirekt unterstützen.
"Walnüsse, Mandeln und Kürbiskerne liefern wichtiges Zink und Omega-3-Fettsäuren für die Libido und den Hormonhaushalt“, verrät Julia Zumpano, US-Diätologin an der Cleveland Clinic, gegenüber "Self". Eine 2019 im Fachjournal "Nutrients" veröffentlichte Studie zeigte, dass junge Männer, die 14 Wochen lang mehr Nüsse konsumierten, über eine verbesserte Orgasmusfunktion und gesteigerte sexuelle Lust berichteten.
Schokolade, besonders mit hohem Kakaoanteil, enthält Flavonoide: Diese fördern die Durchblutung und können laut Expertinnen die Endorphin-Ausschüttung steigern. Eine bessere Gefäßfunktion bedeutet wiederum bessere Voraussetzungen für sexuelle Erregung.
Bestimmte Gewürze wirken besonders durchblutungsfördernd: Eine 2022 in der Fachzeitschrift "Sexologies" veröffentlichte Studie zeigte, dass Ingwer-Kapseln bei Frauen im gebärfähigen Alter die sexuelle Funktion und Lebensqualität verbesserten. Eine weitere Untersuchung aus 2023 im "Journal of Sex Research" fand Hinweise darauf, dass Ingwer die sexuelle Erregung bei Männern und Frauen steigern kann.
Avocados liefern gesunde Fette und Omega-3-Fettsäuren, die laut der Ernährungsexpertin die Hormonproduktion und Durchblutung unterstützen – zwei entscheidende Faktoren für Lust und Leistungsfähigkeit.