Kia traut sich etwas. Während viele Hersteller bei ihren Elektroautos auf möglichst gefälliges Design setzen, geht der neue EV2 einen anderen Weg. Das kompakte SUV fällt sofort auf – und das ist durchaus gewollt.
Vor allem das Heck mit den weit nach unten gezogenen Rückleuchten sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Die Front orientiert sich zwar an den größeren EV-Modellen der Marke, insgesamt wirkt der EV2 aber deutlich verspielter. Irgendwie erinnert der kleine Stromer an den freundlichen Hund des Nachbarn, den man am liebsten sofort streicheln möchte. Genau das macht seinen Charme aus. "Schön" finden ihn vermutlich nicht alle – mutig ist das Design aber allemal.
Mit einer Länge von nur 4,06 Metern gehört der EV2 zu den kleineren Vertretern seiner Klasse. Umso überraschender ist das gute Raumangebot – so wie Kia den Innenraum ausgenutzt hat, ist wirklich beeindruckend. Selbst im Fond sitzt man deutlich luftiger, als die Außenmaße vermuten lassen. Das ist nicht zuletzt dem Box-Design zu verdanken.
Je nach Ausstattung ist der EV2 als Vier- oder Fünfsitzer erhältlich. Der Kofferraum fasst zwischen 362 und 403 Liter, bei umgelegten Sitzen stehen bis zu 1.201 Liter zur Verfügung. Dazu kommt noch ein 15 Liter großer Frunk unter der Fronthaube.
Auch das Cockpit wirkt modern und aufgeräumt. Zwei 12,3-Zoll-Displays übernehmen die wichtigsten Anzeigen, für die Klimaanlage gibt es erfreulicherweise einen eigenen 5,3-Zoll-Touchscreen. Die Qualität ist Kia-typisch gut – hier knarzt und klappert gar nichts.
Wer einen knallharten Stadtflitzer erwartet, wird überrascht sein. Das Fahrwerk ist klar auf Komfort ausgelegt und filtert Schlaglöcher sowie Bodenwellen souverän weg. Der EV2 fährt sich angenehm entspannt und vermittelt gerade im Alltag einen hochwertigen Eindruck.
Angetrieben wird der Fronttriebler von einem 147 PS starken Elektromotor, der 250 Nm Drehmoment auf die Vorderräder schickt. Den Sprint auf 100 km/h absolviert der EV2 in 8,5 Sekunden.
Das klingt auf dem Papier unspektakulär, fühlt sich im Stadtverkehr aber deutlich flotter an. Die direkte Kraftentfaltung des Elektromotors sorgt dafür, dass der Kia von der Ampel spritzig unterwegs ist. Praktisch: Trotz seiner kompakten Abmessungen darf der EV2 750 Kilogramm an den Haken nehmen.
Besonders überzeugt hat im "Heute"-Test der Stromverbrauch. In der Regel geben Autohersteller mit ihren WLTP-Reichweiten gern an – erreichen tun sie im realen Leben aber nur die wenigsten. Bei Kia ist das anders. Der spuckt keine großen Töne und hält trotzdem mehr, als er verspricht.
Mit der großen 61-kWh-Batterie verspricht Kia bis zu 448 Kilometer WLTP-Reichweite. Alternativ gibt es einen 42,2-kWh-Akku mit bis zu 317 Kilometern. Und genau diese Variante hatten wir im Test.
Im Alltag konnten wir die offiziellen Verbrauchsangaben sogar unterbieten. Im gemischten Betrieb pendelte sich der Verbrauch bei 11 bis 12 kWh pro 100 Kilometer ein. Damit sind rund 330 Kilometer reale Reichweite problemlos möglich.
In der Stadt wurde es sogar noch beeindruckender. Hier zeigte der Bordcomputer zeitweise einstellige Verbrauchswerte – ein Spitzenwert in dieser Fahrzeugklasse.
Erst auf der Autobahn steigt der Energiebedarf deutlich. Bei Tempo 130 lagen rund 20 kWh pro 100 Kilometer an, wodurch die Reichweite auf etwa 200 Kilometer sank. Wer längere Strecken fährt, sollte daher eher mit 120 km/h unterwegs sein.
Dass der EV2 besonders effizient ist, zeigte sich auch beim weltweit bekannten "El Prix"-Reichweitentest des norwegischen Automobilclubs NAF. Dort übertraf die Version mit Standardakku ihre offizielle WLTP-Reichweite sogar um 5,4 Prozent und erzielte mit 325 Kilometern das beste Ergebnis aller vier- und fünfsitzigen Elektroautos im Test. Der gemessene Durchschnittsverbrauch von 12,4 kWh deckt sich dabei nahezu exakt mit unseren Erfahrungen.
Geladen wird serienmäßig mit 11 kW an der Wallbox, optional sind 22 kW erhältlich. An Schnellladesäulen fließen bis zu 118 kW, wodurch der Akku in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden kann.
Der Einstieg gelingt bereits ab 26.690 Euro für den EV2 Light mit Standardbatterie. Wer mehr Ausstattung möchte, landet schnell bei etwas über 30.000 Euro. Das empfehlenswerte Tech-Paket kostet 1.200 Euro und bringt unter anderem den Autobahnassistenten HDA II, ein 12,3-Zoll-Navigationssystem, Apple CarPlay, Android Auto, Kia Connect sowie das ausgezeichnete Harman-Kardon-Soundsystem mit. Je nach Ausstattung reicht die Preisspanne bis 40.190 Euro.
Der Kia EV2 macht vieles richtig. Er bietet erstaunlich viel Platz, fährt ausgesprochen komfortabel und gehört zu den sparsamsten Elektroautos seiner Klasse. Das ungewöhnliche Design dürfte zwar Geschmackssache sein, genau darin liegt aber auch seine Stärke. Wer ein kompaktes, effizientes und alltagstaugliches Elektroauto sucht und sich mit der eigenständigen Optik anfreunden kann, findet im EV2 einen echten Geheimtipp.